Literaturnobelpreis 2022 geht an Annie Ernaux

Der diesjährige Nobelpreis für Literatur geht an eine französische Schriftstellerin, die durch ihr autobiografisches Werk bekannt wurde.

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(Bild: nobelprize.org / Nikla Elmehed)

Die französische Autorin Annie Ernaux bekommt den Literaturnobelpreis 2022. Das hat die Schwedische Akademie in Stockholm am heutigen Donnerstag bekannt gegeben. Sie bekommt den Preis für "den Mut und die Schärfe, mit der sie die Wurzeln, Entfremdungen und kollektiven Fesseln der persönlichen Erinnerungen aufdeckt".

Ernaux wurde 1940 in Lillebonne in Frankreich geboren. Ihren ersten autobiografischen Roman "Les Armoires vides" wurde 1974 veröffentlicht. Die Schwedische Akademie hob unter anderem ihr 2008 erschienenes Buch "Les Années" hervor, das in Deutschland 2017 unter dem Titel "Die Jahre" erschien und viel beachtet wurde. Ernaux ist die 17. Frau, die den seit 1901 vergebenen Literaturnobelpreis bekommt.

Ernaux untersuche in ihrem Werk "konsequent und aus verschiedenen Blickwinkeln ein Leben, das von starken Unterschieden in Bezug auf Geschlecht, Sprache und Klasse geprägt ist. Ihr Weg zur Urheberschaft war lang und mühsam", schreibt die Akademie. Der Literaturnobelpreis ist mit 9 Millionen Schwedischen Kronen (knapp 830.000 Euro) dotiert. Überreicht wird er am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel.

Spekuliert wurde vorab besonders darüber, dass der indisch-britische Schriftsteller Salman Rushdie den Preis bekommen könnte. Er wurde Mitte August dieses Jahres durch eine Messerattacke schwer verletzt. 1989 hatte der damalige iranische Ayathollah Khomeini am 14. Februar 1989 über ihn ein Todesurteil verhängt. Kurz zuvor war Rushdies Roman "Die Satanischen Verse" erschienen. Er handelt von indischen Einwanderern in England, dabei ließ Rushdie Ereignisse aus dem Leben des Propheten Muhammad einfließen.

Im vergangenen Jahr wurde Abdulrazak Gurnah ausgezeichnet. Der Schriftsteller wurde 1948 in Sansibar geboren und lebt in England. Das Nobelkomitee ehrte ihn "für sein kompromissloses und mitfühlendes Eindringen in die Auswirkungen des Kolonialismus und das Schicksal des Flüchtlings in der Kluft zwischen Kulturen und Kontinenten".

(anw)