Lücken in der connect-App: Wenn eine Hackerin bei der CDU anruft

Die CDU meinte: "Wo gehobelt wird fallen Späne"

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Es dauerte dann bis zum 3. August, als ein Schreiben des LKA Berlin bei Ihnen eintraf, das über eine Anzeige informierte, und das Sie auch veröffentlicht haben. Kurz darauf meldet sich Stefan Hennewig wieder bei Ihnen.

Ja, und zwar gegen 11 Uhr am folgenden Tag. Er meinte, das sei dumm gelaufen, er hätte die Anzeige nicht selbst geschrieben, und da hätte mein Name nicht drinstehen sollen. Das hätte so nicht passieren dürfen, sagte er. Das habe ich als Pseudo-Entschuldigung aufgefasst. Wir haben noch etwas über die Digitalkompetenz der CDU geredet und er meinte: "Wo gehobelt wird, fallen Späne." Dann diskutierten wir über seine Absicht zu der Sache auch zu twittern und ich meinte: "Ich glaube nicht, dass das zu einer ordentlichen Entschuldigung führt oder die Sache irgendwie besser macht." Dann war das Gespräch auch schnell wieder beendet.

Jetzt kann man eine Anzeige nicht einfach so zurückziehen, da läuft ein Ermittlungsverfahren. Was für Konsequenzen hat das für Sie?

Ich habe von der Polizei bisher nicht wieder gehört, die müssen das erstmal weiter verfolgen. Und selbst eine Einstellung des Verfahrens wäre ja kein Freispruch. Der Ärger bleibt bestehen. Selbst wenn da jetzt irgendein Verfahren in meinen Akten landet... das ist nicht so toll, das muss nicht sein, aber des Risikos war ich mir immer bewusst.

Nach der Veröffentlichung der Anzeige auf Twitter gab es viel Zuspruch und der CCC hat angekündigt, keine Lücken mehr an die CDU zu melden, weil dann Anzeigen drohen. Hatten Sie mit so viel Unterstützung gerechnet?

Das hat völlig übertroffen, was ich erwartet hatte. Ich bin auch immer noch sehr glücklich über unsere großartige Zivilgesellschaft. Ich hatte nur gehofft, einen guten Anwalt zu finden.

Was müsste denn passieren um die Wogen zwischen der deutschen Security-Szene und der CDU wieder zu glätten?

Das Gesetz müsste geändert werden. Die CDU müsste sich wirklich dafür einsetzen, dass der Paragraf 202 des Strafgesetzbuchs so geändert wird, dass Sicherheitsforschung gefördert, und nicht verhindert wird.

Frau Wittmann, vielen Dank für das Gespräch.

(nie)