Luftfahrtbranche: 200.000 Tonnen nachhaltiges Kerosin bis 2030

Die Luftfahrtbranche und die Politik haben konkrete Schritte vereinbart, um zur Klimaneutralität beizutragen.

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(Bild: bdl.aero)

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  • Andreas Wilkens

Bis 2030 will die Luftfahrtbranche mindestens 200.000 Tonnen nachhaltig erzeugtes Kerosin beimischen. Darauf haben sich mehrere Ministerien sowie Verbände der Luftfahrt, der Industrie sowie der Mineralölwirtschaft verständigt. Ein Programm dafür legten sie am Freitag in Berlin vor. Die vereinbarte Menge entspricht demnach rund 2 Prozent des Verbrauchs aller von Deutschland aus startenden Flugzeuge im Jahr 2019 sowohl ins Inland als auch ins Ausland.

Laut Bundes-Klimaschutzgesetz soll 2026 zunächst dem Kerosin ein Anteil von 0,2 Prozent synthetischer Kraftstoff beigemischt werden. In dem nun beschlossenen Fahrplan bis 2030 konzentrieren sich die Beteiligten auf synthetische Treibstoffe, gewonnen mit dem Verfahren Power to Liquid (PtL). Vereinfacht beschrieben werden dabei elektrolytisch gewonnenem Wasserstoff und dem Zusatz von CO2, das aus der Umgebungsluft geholt werden soll, flüssige Kraftstoffe erzeugt. Die Technik gilt als teuer. Reine Batterielösungen sind für den weltweiten Luftverkehr aber technisch kaum denkbar.

"Wir haben bislang vor allem Testanlagen in kleinem Maßstab", sagte Matthias von Randow Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL). "Nun müssen wir schauen, was es bedeutet, wenn solche Anlagen in einer industriellen Größenordnung gebaut werden."

Eine weitere Herausforderung bleibt die Nachhaltigkeit. Denn klimaneutral können PtL-Kraftstoffe nur sein, wenn auch der dafür in großen Mengen benötigte Strom grün ist. "Nur mit der Nutzung von Strom aus zusätzlichen erneuerbaren Energiequellen kann der Ausstoß klimaschädlicher Emissionen bei der Produktion selbst vermieden werden", heißt es in dem Papier. Dafür müsste auch grüner Strom aus dem Ausland importiert werden, denn Deutschland könne den Bedarf alleine nicht decken.

Um einen Markt für PtL-Treibstoffe – auch E-Fuels genannt – zu schaffen, seien zudem Förderungen des Bundes notwendig, betonte von Randow. Entweder stelle der Bund Fördermittel bereit für das Inverkehrbringen eines solchen Kraftstoffes oder die Luftfahrtunternehmen kauften den Kraftstoff zu Marktpreisen und könnten diese Mehrkosten etwa mit der Luftverkehrssteuer verrechnen. Bei einer Beimischungsquote von 2 Prozent geht es laut der Tageszeitung Die Welt um Mehrkosten von zunächst rund 500 Millionen Euro.

Auf der Nationalen Luftfahrtkonferenz 2019 in Leipzig hatten Branche, Gewerkschaften und Politik vereinbart die nötige Technik für elektrisches und hybrid-elektrisches Fliegen für die nächste Generation von Kurz- und Mittelstreckenflugzeugen verfügbar zu machen. Um das Ziel des CO2-neutralen Fliegens zu erreichen, seien alternative nachhaltige Kraftstoffe erforderlich – insbesondere PtL. In der Luftfahrtbranche sind in Deutschland 850.000 Menschen beschäftigt.

(anw)