"Made in Germany": Leibniz-Rechenzentrum erhält Quantencomputer

Das deutsch-finnische Start-up IQM erhält vom Bundesministerium für Bildung und eine Millionenförderung zum Bau eines Quantencomputers in Bayern.

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(Bild: IQM)

Von
  • Mark Mantel

Deutschland stockt die Förderungen zur Forschung an Quantencomputern auf. Das Konjunktur- und Zukunftspaket der Bundesregierung sieht die Förderung von Quantentechnologien mit 2 Milliarden Euro in den kommenden Jahren vor. Aus diesem Geldtopf kommt die Fördermaßnahme "Quantencomputer-Demonstrationsaufbauten", mit der das deutsch-finnische Start-up IQM einen ersten kleinen Quantencomputer mit europäischer Technik bauen soll.

IQM leitet das Projekt "Quantencomputer-Erweiterung durch Exascale-HPC (Q-Exa)", an dessen Ende im Jahr 2024 ein sogenannter Quantencomputer-Demonstrator im Leibniz-Rechenzentrum (LRZ) der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in Garching integriert werden soll. Für das Projekt stehen 45,3 Millionen Euro bereit, wovon das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) 40,1 Millionen Euro beisteuert.

Demonstrator bedeutet, dass der Quantencomputer zu Forschungs- und Versuchszwecken noch eine recht geringe Rechenleistung erreicht. Geplant sind 20 Qubits auf Basis von Supraleiter-Schaltkreisen. Mit im Boot sitzen auch das Karlsruher Start-up HQS Quantum Simulations und die Atos-Tochter science + computing AG. Die Entwicklung der Supraleiter-Technik bei IQM förderte das BMBF bereits zuvor mit mehr als 10 Millionen Euro.

Unternehmen wie Google und IBM kommen schon heute auf höhere Leistungswerte bis 66 Qubits, allerdings kommt es auch auf die Qualität der Berechnungen an. Die Fehlerrate etwa stellt einen wichtigen Kennwert bei Quantencomputern dar, der sich nicht in den Qubits widerspiegelt.

Erst kürzlich hat IQM auch einen Auftrag der finnischen Regierung gesichert, um bis 2024 einen Quantencomputer mit einer Rechenleistung von 54 Qubits im Technischen Forschungszentrum Finnland VTT zu bauen. Die erste Bauphase mit 5 Qubits soll im kommenden Jahr abgeschlossen werden.

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Im Rahmen des deutschen Q-Exa-Projekts sagte die Bundesforschungsministerin Anja Karliczek: "Das internationale Wettrennen im Bereich der Quantentechnologien ist in vollem Gange. Deutschland und die Europäische Union müssen hier zur Sicherstellung unserer technologischen Souveränität mit ganzer Kraft mithalten. Wir wollen selbst in der Lage sein, über die Technologie eigenständig zu verfügen und sie weiterzuentwickeln."

Bisher hat IQM 71 Millionen Euro aus öffentlichen und privaten Fördermitteln eingeworben, unter den Geldgebern befindet sich auch der chinesische Riesenkonzern Tencent. IQM entwickelt laut eigenen Angaben die zugrundeliegende Quantentechnik in Finnland und konzentriert sich in Deutschland auf anwendungsspezifische Integrationen zusammen mit Abnehmern.

(mma)