Mageia 8: Mandriva-Erbe für Desktops mit frischem Linux-Kernel und Neuerungen

Die Linux-Distribution Mageia, ein Enkel von Mandriva Linux (und Urenkel von Mandrake), liegt in neuer Version vor.

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(Bild: mageia.org)

Von
  • Martin Gerhard Loschwitz

Knapp zwei Wochen nach der Konkurrenz von OpenMandriva haben auch die Entwickler des zweiten verbliebenen Mandrake Linux-Abkömmlings Nägel mit Köpfen gemacht: Die Linux-Distribution Mageia steht seit dem Wochenende in Version 8 bereit. Sie punktet mit einem Update auf den LTS-Kernel 5.10.16, Aktualisierungen bei den Desktop-Anwendungen und vielen Verbesserungen unter der Haube.

Sowohl Mageia als auch OpenMandriva sind aus dem 2005 in Mandriva Linux umbenannten Mandrake Linux hervorgegangen. Anders als OpenMandriva wird Mageia aber nicht als der quasi-offizielle Mandrake- beziehungsweise Mandriva Linux-Nachfolger betrachtet. Die Distribution entstand stattdessen 2010 als Fork von Mandriva Linux auf Initiative von mehr als 30 ehemaligen Mandriva-Angestellten, Entwicklern und Community-Mitgliedern. Damals war der Fortbestand von Mandriva Linux in Gefahr, das sich kurzzeitig nochmal berappelte und letztlich ab 2012 im Rahmen einer Stiftung als OpenMandriva fortgeführt wurde.

Bis heute sind die Teams hinter OpenMandriva und Mageia komplett unabhängig voneinander. Technisch gibt es zwischen den Systemen aber weiterhin viele Parallelen. Die aktuellste OpenMandriva-Version ist OpenMandriva Lx 4.2:

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Beiden Distributionen gemeinsam ist auch der starke Desktop-Fokus. Im Falle der neuen Mageia-Version können Nutzer bei den Desktopumgebungen zwischen den jeweils (fast) taufrischen Versionen von KDE Plasma (50.20.4), GNOME (3.38.3), Xfce (4.16) sowie LXDE, LXQt, MATE, Cinnamon, Enlightenment, IceWM und diversen anderen minimalistischen Desktops wählen.

Die proprietären Treiber für NVidia-Grafikkarten binden die Entwickler über das "non-free"-Paketverzeichnis der Distribution ein, so dass KDE und Co. auf Systemen mit halbwegs aktueller Grafikhardware keine Probleme bereiten. Besitzer von AMD-GPUs hingegen haben schlechtere Karten: Weil die von AMD bereitgestellten Treiber nicht mit Xorg 1.20 kompatibel sind, funktionieren sie in Mageia 8 nicht. Hier setzen die Entwickler stattdessen auf die freien Treiber, die allerdings nicht alle Features der jeweiligen Grafikchips unterstützen.

(Bild: mageia.org)

Typische Werkzeuge aus Nutzersicht wie der Chromium-Browser, Thunderbird oder LibreOffice präsentieren sich in Mageia Linux 8 auf der Höhe der Zeit.

Der RPM Package Manager geht in Version 4.16 deutlich flinker ans Werk als seine Vorgänger. Er bringt seit Mageia 6 DNF (Dandified Yum) als alternativen Paketmanager mit, der sich erkennbar anschickt, das in die Jahre gekommene "urpmi" zu verdrängen. Ähnlich wie OpenMandriva bietet Mageia eine Anwendung, welche die Einrichtung des Desktops erleichtern soll. Sie trägt den Namen "MageiaWelcome" und wurde in Mageia 8 gründlich überarbeitet.

Eine vollständige Übersicht über alle Neuerungen liefern die detaillierten Veröffentlichungshinweise zu Mageia 8 im Abschnitt "Anwendungen".

Besonders viel Mühe haben die Mageia-Entwickler in die Installationsroutine der neuen Version gesteckt. Anders als viele zeitgenössische Linux-Distributionen setzt Mageia nicht primär auf den generischen Installer Calamares, sondern bringt den einstigen Mandrake-Installer auf den Stand moderner Technik. Beginnend mit Mageia 8 ist es unter Verwendung spezieller Netzwerkinstallations-ISOs etwa möglich, das System per WiFI mit Verschlüsselung nach WPA2-Standard aus der "Stage 1" heraus zu installieren – also der absoluten Minimal-Version des Mageia-Installers. Die vor Ort benötigten Teile lädt die Stage 1 dann entsprechend nach.

Außerdem haben die Entwickler das Partitionierungstool des Mageia-Installers überarbeitet. Von ihrem bisher genutzten NFS-Fork haben sie sich verabschiedet. Der stammte noch aus Mandrake-Zeiten und hatte sich in jüngerer Vergangenheit zu einem immer größeren Klotz am Bein der Distribution entwickelt. Die Installationsroutine von Mageia 8 setzt stattdessen auf den etablierten NFS-Client des Linux-Kernels, so dass sie nun auch NFSv4 beherrscht.

Alternativ zur normalen sowie zur Netzwerkinstallation steht Mageia 8 auch als Live-System zur Verfügung. Alle verfügbaren Images und Downloads zur Neuinstallation versammelt die Mageia 8-Download-Site. Wer bereits auf Mageia 7 unterwegs ist, hat einen direkten Update-Pfad: In den Release-Notes zur neuen Version erklärt das Team, wie das Update durchzuführen ist. Dort betont es auch, dass ein Update von Mageia 6 oder früheren Versionen auf Version 8 nicht unterstützt wird.

An der Vervollständigung eines ARM-Porst ihres Systems arbeiten die Entwickler indes noch: Sie wollen in den kommenden Monaten installierbare Images für populäre Systeme mit ARM- oder ARM64-CPU nachreichen (vermutlich etwa für den Raspberry Pi). Sämtliche Pakete der Distribution stehen indes bereits für ARM- und ARM64 bereit.

(ovw)