Magnetkugeln: Lebensbedrohender TikTok-Trend

Ein TikTok-Trend mit kleinen Magnetkugeln ist potenziell lebensbedrohlich. Die als Piercing missbrauchten Magnete können leicht verschluckt werden.

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(Bild: And-One/Shutterstock.com)

Von
  • Bernd Mewes

Der nationale Gesundheitsdienst von Großbritannien, National Health Service (NHS), fordert ein Verbot, das den Verkauf von Magneten als "Spielzeug" einschränkt. Hintergrund ist ein aktueller TikTok-Trend, bei dem Teenager zwei magnetische Kügelchen auf der Ober- und Unterseite der Zunge zu einem "Fake-Piercing" platzieren. Beim versehentlichen Verschlucken der Kügelchen bestehe jedoch Lebensgefahr. Dazu gab das NHS nun eine Patientenwarnung aus.

In den letzten drei Jahren sei es nach Angaben des NHS bei mindestens 65 Kindern zu Notoperationen durch Verschlucken von Magneten gekommen. Die magnetischen Objekte würden im Darm eine Unterbrechung der Blutversorgung verursachen, erklärt das NHS – innerhalb von Stunden könnten verschluckte Magnete erhebliche Schäden verursachen. Jugendliche, die magnetische Kugeln als gefälschtes Zungen-Piercing verwenden, zählten seit Kurzem zusätzlich zu kleinen Kindern zu den Betroffenen.

Auf TikTok spielen die Jugendlichen in den Videos mit den magnetischen Kügelchen ober- und unterhalb ihrer Zunge und bewegen sie hin und her wie ein echtes Piercing, bei dem im Gegensatz zu den Magneten die beiden Kugeln mit einer Stange fest verbunden sind – sie sind auch keine Magnete.

Professor Simon Kenny, klinischer Direktor für Kinder und Jugendliche des NHS, sagte, dass Magnete bei Kindern eine Faszination auslösen würden, Magnetspielzeuge allerdings nicht sicher seien und nicht als Spielzeug zum Verkauf stehen sollten. Die einzige Möglichkeit, solche Vorfälle zukünftig zu verhindern, sei ein Verbot dieser Artikel.

Die nationale Patientenwarnung weist darauf hin, dass jedes Krankenhaus und jede Hausarztpraxis Fälle von verschluckten Magneten als Notfall behandeln soll. Entsprechend seien Röntgenaufnahmen und Überweisungen an die Chirurgie dringend erforderlich. Es sei wichtig, nicht auf schmerzhafte Symptome oder andere Anzeichen für eine Erkrankung zu warten, sondern sofort eine medizinische Einrichtung aufzusuchen.

Zuletzt hatte der Fall eines Elfjährigen für Aufsehen gesorgt. Er hatte insgesamt fünf Kügelchen verschluckt, die in einer mehrstündigen Notoperation entfernt wurden. Dabei wurden auch mehrere Zentimeter seines Darms entfernt. Einem 18 Monate alten Kind wurden laut NHS 23 Magnete entfernt, seinem Zwillingsbruder vier.

Die British Toy & Hobby Association ist der Ansicht, dass sich das Gesetz ändern und strengere Vorschriften zur Spielzeugsicherheit zu einer Änderung des Designs solcher Spielzeuge führen sollte. Magnete könnten mit großen Gehäusen versehen werden, sodass sie nicht mehr verschluckt werden können.

Update 31.5.2021: Die starken Magnete können sich gegenseitig im Darm anziehen, wenn sie verschluckt werden, erläutert der NHS. Dadurch können unnatürlich Verdrehungen entstehen oder der Darm gar perforiert werden.]

Die Plattform TikTok kennzeichnet seit kurzem Videos mit gefährlichen Fahrmanövern mit Warnhinweisen. Dabei zeigen Autofahrer beispielsweise Videos mit Fahrassistenzsystemen, die bis aufs äußerste ausgereizt werden. Ob der Trend zu den "Fake-Piercings" mit Magneten in Zukunft auch mit einem Warnhinweis versehen wird, bleibt abzuwarten.

(bme)