Mainframes in der modernen IT: Mit Open Source die alten Silos öffnen​

Junge, innovative Communities für Mainframes begeistern

Inhaltsverzeichnis

Stichwort Fachkräftemangel: Was sind die wichtigsten Maßnahmen, um Quereinsteiger, aber auch Studenten und Azubis, an die Themen Mainframe und COBOL heranzuführen?

Ein erster Schritt wären moderne Entwicklungsumgebungen auf Basis etablierter Plattformen wie Eclipse, Visual Studio und seit einiger Zeit auch Visual Studio Code. So fällt der Einstieg wesentlich leichter als mit altmodischen ISPF-Oberflächen.

Idealerweise beginnt die Beschäftigung mit dem Thema aber nicht erst beim Einstieg in ein Unternehmen, sondern bereits an der Hochschule. Hier sollten wir ein Bewusstsein für die immer noch vorhandene Bedeutung von COBOL schaffen, sodass wieder mehr Universitäten entsprechende Kurse anbieten. Micro Focus beispielsweise stellt Interessierten kostenfreie Lizenzen (zur privaten Nutzung) zur Verfügung, um die Einstiegshürde so niedrig wie möglich zu halten und den Erhalt von COBOL zu unterstützen.

Was müssten die Mainframe-Hersteller tun, damit ihre Plattformen langfristig relevant bleiben?

Diese Frage können wir als Software-Hersteller, der COBOL sowohl auf dem Mainframe unterstützt als auch auf Windows und Linux anbietet und unterstützt, nur bedingt beantworten. Aber gerade die aktuellen Initiativen, die Sie schon benannt haben (Open Mainframe, Zowe) zeigen, wo es hingehen kann. Mainframes müssen in aktuelle Infrastrukturen eingebunden werden und es muss gelingen, junge, innovative Communities für diese Technologie zu begeistern.

Dem Mainframe wird oft immer noch ein ausgesprochener Silo-Charakter attestiert. In Zukunft wird es auch darum gehen, dieses Denken in der Praxis zu widerlegen und aufzuzeigen, dass auch der Mainframe ein modernes interaktives System sein kann. Um relevant zu bleiben, müssen Mainframes natürlich auch aktuelle Anforderungen unterstützen. Hier ist IBM beispielsweise mit Watson und Blockchain-Unterstützung bereits sehr aktiv.

Sollen bestehende Mainframe-Systeme erhalten werden, muss immer auch deren Zukunftssicherheit gewährleistet werden können. Wir als Software-Anbieter sehen unsere Aufgabe primär darin, unseren Kunden einen Weg in die Zukunft zu ermöglichen – sei es durch Modernisierung oder durch Migration. Oft geht es aber auch gar nicht um eine solch binäre Entscheidung, sondern eher um ein schrittweises Vorgehen und eine behutsame Transformation.

Herr Reusch, vielen Dank für das Interview!

Im vorherigen Teil unserer Mainframe-Interviews haben wir uns mit Heidi Schmidt über ihre Meinung zu modernen Mainframe-Anwendungen unterhalten. Wolfram Greis sprach mit iX über die Karriere-Chancen im Mainframe-Kontext. Das Auftaktgespräch unserer Interview-Reihe haben wir über IBMs interne Sicht auf das Mainframe-Business geführt. ()