Match Group: Tinder-Chefin bald weg, Aktie stürzt ab

Bei Tinder läuft es nicht rund. Etwa 10 Millionen Euro Miese stehen für die Match Group in den Büchern. Neue Funktionen und Abo-Preise sollen die Wende bringen.

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(Bild: de-nue-pic/Shutterstock.com)

Von
  • Oliver Bünte

Der Aktienkurs der Tinder-Muttergesellschaft Match Group, zu der auch die Dating-Apps Hinge und OkCupid gehören, kämpft mit deutlichen Kursverlusten von vorbörslich mehr als 20 Prozent. Der Aktienkurs sank am Mittwoch auf 63,25 Euro.

Zwar konnte Match im zweiten Quartal seinen Umsatz um 12 Prozent im Jahresvergleich auf 795 Millionen US-Dollar, etwa 782,5 Millionen Euro, steigern. Allerdings hatten Analysten mit 804 Millionen deutlich mehr erwartet. Eine Einmalbelastung durch Tinder ließ das Unternehmen in die Verlustzone rutschen. Ein Minus von rund 10 Millionen US-Dollar steht in den Büchern, das nach Angaben von Match aus einer Wertminderung immaterieller Vermögenswerte im Zusammenhang mit der Übernahme des KI-Videochats Hyperconnect zustande kam.

Weil es bei Tinder nicht gut läuft, muss nun auch Tinder-Chefin Renate Nyborg gehen, die erst vor drei Monaten das Amt von Shar Dubey übernommen hatte. Der Verschleiß an Geschäftsführern bei Tinder ist hoch. Seit der Gründung 2012 ist sie nun die sechste Geschäftsführende, die das Unternehmen verlässt.

Dass es bei Tinder nicht so recht läuft, ist schon länger ersichtlich. Neue Produkte wie die In-App-Währung Tinder Coins hat Tinder auf Eis gelegt. Die Umsetzung sei zu schlecht gewesen, wollen Marktbeobachter wissen.

Hinzu kommt die seit Jahresbeginn nachlassende Nachfrage. Nach Aufhebung der pandemiebedingten Beschränkungen hatten Tinder und die anderen Dating-Apps von Match zunächst einen ordentlichen Zulauf erfahren. Menschen wollten sich wieder treffen und Kontakte knüpfen. Das ist nach einem anfänglichen Hype aber wieder zurückgegangen, die Einnahmen über Abos fließen damit nicht so stark, wie es sich das Unternehmen gedacht hatte. Offensichtlich gelingt es Tinder auch nicht, mehr Tinder-Nutzerinnen und -Nutzer in bezahlte Abos zu bringen. In Nord- und Lateinamerika sowie Europa gab es kaum Umsatzwachstum, einen Zuwachs gibt es lediglich im asiatisch-pazifischen Raum und Afrika.

Für das laufende dritte Quartal sehen die Aussichten für Match nicht viel rosiger aus: Die Umsätze sollen in einer Spanne von mindestens 790 Millionen und maximal 800 Millionen Euro liegen. Bisher war von einem Umsatz von rund 883 Millionen Dollar ausgegangen worden.

Eine neue Geschäftsführung für Tinder gibt es noch nicht. Bernhard Kim, Chef der Match Group wird die Position zunächst übernehmen. Das Ruder will er nun rumreißen, indem Tinder für Frauen attraktiver gemacht wird. Auch die Preise für die Abos sollen attraktiver gestaltet werden – inklusive eines Abos mit kürzerer Laufzeit. Dabei will Kim offenbar neue Tinder-Nutzende ansprechen. In den Abo-Paketen sollen dann weitere Funktionen enthalten sein, wie etwa Livestreams und kuratierte Empfehlungen.

(olb)