Matter ist fertig: "Überstandard" fürs Smart Home jetzt verfügbar

Zubehörhersteller können auf Spezifikationen für Version 1.0 von Matter zugreifen. Erste marktreife Produkte sind im November zu erwarten.

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Hersteller wie Eve können ihr Zubehör nun mit fertigen Spezifikationen für Matter anpassen und zertifizieren lassen. (Bild: Berti Kolbow-Lehradt)

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Der IP-basierte Kommunikationsstandard Matter ist fertig. Die zuständige Connectivity Standards Alliance (CSA) hat heute die Spezifikationen für Version 1.0 des Standards freigegeben, der Kompatibilität zwischen den Geräten verschiedener Hersteller gewährleisten soll. Hersteller können nun infrage kommendes Smart-Home-Zubehör mithilfe eines Softwareentwicklungskit anpassen und von autorisierten Testlaboren prüfen lassen. Das quelloffene Matter-SDK ist bei Github hinterlegt.

Mit marktreifen Matter-Produkten ist schon in wenigen Wochen zu rechnen. Die CSA bestätigte, dass beteiligte Firmen kompatibles Zubehör während eines Launch-Events am 3. November in Amsterdam vorstellen wollen. Die erste Version von Matter unterstützt Funktionen für Beleuchtung, Schalter, Heiz- und Kühltechnik, Ventilatoren, Fensterabdeckungen und Jalousien, Sicherheitssensoren, Türschlösser, Fernseher sowie Bridges.

Zu den Marken, die ihre Produkte zuerst zertifizieren lassen, zählen die Matter-Initiatoren Amazon, Apple, Google und Samsung, sowie rund 280 kleinere und größere Technikhersteller, die an der ersten Matter-Version mitgearbeitet haben. Wegen ihres zeitlichen Vorsprungs dürfte es nur "wenige Tagen oder ein paar Wochen" dauern, bis ihr Zubehör im Idealfall das Matter-Zertifikat erhält, hatte der zuständige CSA-Director Jon Harros zum Thema Matter auf der IFA erklärt. Dort war der Standard einer der wichtigsten Messetrends.

Mit wie viel Geräten zum Start im November zu rechnen ist, bleibt noch unklar. Bei den finalen Testrunden vor dem Wechsel von Matter 0.9 zu 1.0 hatten Hersteller rund 130 Produkte ins Rennen geschickt. Sie befinden sich in unterschiedlichen Entwicklungsphasen. Daher ist es unwahrscheinlich, dass sie bis zum offiziellen Matter-Start marktreif sind. Zwar sind laut CSA beim Amsterdam-Event praxisnahe Technik-Demos fest eingeplant. Aber es wird sich vermutlich sowohl um offiziell freigegebene Produkte handeln, als auch um solche, die sich noch im Prüfprozess befinden.

Der erste Schwung an Matter-Zubehör wird von Firmen kommen, die Bestandsgeräte mit einem Firmware-Update mit Matter nachrüsten können. Entsprechende Updates haben etwa Amazon, Google, Samsung, Philips Hue, Wiz, Eve und Bosch angekündigt. Google bietet Zubehörentwicklern bereits eine Anleitung für das Matter-Upgrade und arbeitet an einer neuen Home-App, die dem neuen Standard Rechnung trägt.

Als technische Voraussetzung verlangen die Matter-Spezifikationen neben einem gewissen Mindestmaß an Rechen- und Speicherstärke einen kompatiblen Weg der Datenübertragung. Zur Auswahl stehen die IP-basierten Protokolle Wi-Fi und Thread. Andere Funkstandards lassen sich nur über eine LAN-Bridge in ein Matter-Netzwerk einbinden.

Smart-Home-Systeme im Überblick

Matter soll als eine Art Überstandard Smart-Home-Fans konkret drei Vorteile bringen. Erstens wird demnach die Einrichtung einfacher, weil sie Geräte nicht mit diversen Hersteller-Apps in Betrieb nehmen müssen. Stattdessen reicht dafür die Standardsoftware von Amazon, Apple, Samsung und Google. Eine Rechtefreigabe ermöglicht, die Geräte in all diesen bisher getrennten Ökosystemen parallel zu verwenden. Auf der IFA zeigte etwa eine Demo von Hersteller Eve, wie sich bisher HomeKit-exklusives Zubehör lokal mit Google- und Amazon-Sprachbefehlen bedienen lässt.

Zweitens besteht anders als bei bisher verbreiteten Vernetzungsansätzen für massentaugliche Smart-Home-Technik kein Cloud-Zwang. Matter-kompatible Geräte tauschen Schaltsignale und Sensordaten ausschließlich im lokalen Heimnetz aus. Drittens soll die Datensicherheit eine feste Größe im Netzwerkbetrieb einnehmen. Der Datenaustausch erfolgt rein verschlüsselt. Der Abgleich mit unveränderbaren Geräte-Zertifikaten in einer Blockchain-Datenbank soll verhindern, dass sich manipuliertes Zubehör einklinkt und Daten abhört.

Funktioniert Matter so wie angekündigt, wird es die bislang mühsame Suche nach passendem Zubehör vereinfachen und die Abhängigkeit von der Cloud verringern. Vollständig wird der Kommunikationsstandard die Unübersichtlichkeit des Marktes aber nicht beseitigen können. So unterstützt er bisher keine komplexen Automatiken und keinen Fernzugriff. Das bleibt Sache der jeweiligen Hersteller, die diese und andere Zusatzfunktionen weiterhin in ihren eigenen Apps mit oder ohne Cloud anbieten können.

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