Mayflower 400: Erste vollautonome Atlantiküberquerung abgebrochen

Ein von IBM ausgerüsteter Trimaran sollte eigentlich vollautonom über den Atlantik fahren. Nach nur drei Tagen war nun aber vorläufig Schluss.

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Die Mayflower 400 nach dem Start in Plymouth

(Bild: IBM)

Von
  • Martin Holland

Die versuchte erste Atlantiküberquerung eines vollautonomen Schiffs wurde abgebrochen, der Trimaran namens Mayflower 400 fährt jetzt zurück nach Großbritannien. Das berichtet die Washington Post – der offizielle Tracker des Schiffs meldet derweil, dass keine Verbindung zu dem Schiff mehr vorhanden ist. Der Rückruf ist dem Bericht zufolge eine Vorsichtsmaßnahme nach einem "geringfügigen mechanischen Problem", über das es aber bislang wohl nur Vermutungen gibt, da auf den Kontrollkameras nichts zu erkennen ist. Das Schiff hatte sich vergangenen Dienstag auf den Weg gemacht, am Freitag war das Problem aufgetreten.

Das 15 Meter lange Mayflower Autonomous Ship (MAS400) ist ein Kooperationsprojekt von IBM und dem österreichischen Verein zur Förderung der Meeresforschung Promare. Es soll in der Lage sein, den Horizont nach möglichen Gefahren zu scannen, eigenständig Entscheidungen zu treffen und seinen Kurs auf der Grundlage von Live-Daten zu ändern. Innerhalb von drei Wochen sollte die neue Mayflower eigentlich von Plymouth in Südwestengland nach Plymouth im US-Bundesstaat Massachusetts fahren. Auf dieser Route hatte die originale Mayflower vor 400 Jahren die sogenannten "Pilgerväter" in die USA gebracht. Eigentlich war das schon für den runden Jahrestag geplant, aber die Corona-Pandemie hatte einen Strich durch diese Rechnung gemacht.

Dem Start der Fahrt vergangene Woche waren jahrelange Vorbereitungen vorausgegangen, hatte IBM erklärt. Angetrieben wird das autonome Schiff von einer Segelflosse, die das Boot auf eine durchschnittliche Reisegeschwindigkeit von zehn Knoten (18,5 Kilometer pro Stunden) bringen soll. Zusätzlich können zwei 20-Kilowatt-Motoren die Mayflower rein elektrisch auf 4 bis 5 Knoten beschleunigen. Für den US-Konzern ist das Projekt vor allem eine Chance, technische Fähigkeiten im Edge Computing zu demonstrieren – dem Betrieb von lokalen KI-Systemen. Der dafür an Bord installierte Computer muss eingehende Daten der Kameras, des Radars, des Tiefenmessers und die Positions- und Wetterdaten in Echtzeit verarbeiten – auf eine durchgehende Onlineverbindung ist kein Verlass.

Mayflower 400: Fotos vom Start in Plymouth (7 Bilder)

(Bild: IBM)

Wie die Washington Post nun zusammenfasst, hatten die Verantwortlichen am Freitag registriert, dass das Schiff nur halb so schnell vorankam wie eigentlich geplant. Möglich sei, dass ein Bauteil des als Backup installierten Dieselmotors abgetrennt wurde. Möglicherweise hätte man die Mayflower einfach weiterfahren lassen können, zitiert die US-Zeitung Brett Phaneuf von Promare. Aber jetzt hätte der Golfstrom bevorgestanden und eine Reihe von Stürmen. Wenn nicht alle Antriebe voll funktionsfähig sind, könnte das Schiff schlimmstenfalls für eine sehr lange Zeit dort draußen feststecken. Deswegen habe man es aufgefordert zurückzukehren. Wie es danach weitergeht, ist noch nicht bekannt. Das Schiff sollte nicht nur beweisen, dass eine vollautonome Atlantiküberquerung möglich ist, sondern dabei auch Daten über den Zustand des Meeres sammeln.

(mho)