Mediamarkt/Saturn: Leuchttürme und Logistik gegen Lieferschwierigkeiten​

Der Ceconomy-CEO erläutert seine Pläne für den Handelsriesen: Online und Ladengeschäft zur "führenden europäischen Omnichannel-Plattform" zu vereinen.

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Mitte Oktober eröffnet: Neues Zentrallager von MediaMarktSaturn in Göttingen.

(Bild: MediaMarktSaturn)

Von
  • Volker Briegleb

Der neue Chef von Mediamarkt und Saturn rechnet mit weiteren Lieferschwierigkeiten, sieht sein Unternehmen aber für das Weihnachtsgeschäft gut gerüstet. "Es war ja abzusehen, dass es Lieferschwierigkeiten geben wird und dass es bei einigen wenigen Produktgruppen oder bei ganz bestimmten Herstellern eng werden könnte", sagte der neue CEO der Konzernmutter Ceconomy, Karsten Wildberger, im Interview mit dem Handelsblatt. "Deshalb haben wir vorgesorgt und frühzeitig unsere Bestände erhöht."

Wildberger rechnet damit, dass das "noch eine Weile so gehen" wird. Die Lieferengpässe hätten verschiedene Ursachen. "Da ist zum einen der weltweite Chipmangel." Die Situation werde sich im kommenden Jahr teilweise entspannen, "bei manchen Produkten kann das aber auch noch länger dauern", sagte Wildberger dem Handelsblatt. Die Probleme in der Logistik "dürften sich schneller wieder normalisieren".

Um von den globalen Logistikketten weniger abhängig zu sein, hat Ceconomy die eigene Infrastruktur ausgebaut. "Vor ein paar Wochen erst haben wir in Göttingen ein großes nationales Distributionszentrum eröffnet", sagte Wildberger. "Wir können jetzt verstärkt Lieferungen direkt von den Herstellern einlagern und damit die Produktverfügbarkeit deutlich erhöhen." Dazu kommen mehrere kleinere regionale Lager, die für kürzere Lieferzeiten zum Kunden sorgen sollen. Das Ziel: Lieferung noch am Tag der Bestellung, auch für Waschmaschinen.

"Wir verfolgen das klare Ziel, eine führende europäische Omnichannel-Plattform aufzubauen", erklärte Wildberger, der die "Stärken des E-Commerce mit dem stationären Geschäft" verknüpfen will. Die durchschnittliche Ladenfläche der rund 400 Märkte in Deutschland soll von 2500 auf 2200 Quadratmeter schrumpfen. In Innenstadtlagen soll es mehr kleinere Märkte geben "mit vielleicht 600 bis 800 Quadratmeter". Zugleich will Ceconomy in die Ausstattung der Märkte und den Service investieren.

Dazu plant Ceconomy mit großen Leuchtturm-Märkten, die Wildberger "echte Technik-Erlebniszentren". Mit dem "Tech Village" hat der Konzern so einen Markt bereits in Mailand eröffnet. "Das Konzept umfasst auch Shops im Shop von bis zu 20 Partnern, das können auch Amazon oder Apple sein", erklärte Wildberger. "Und in jedem Lighthouse gibt es eine spezielle Fläche für Veranstaltungen. Nächstes Jahr werden wir auch in Deutschland das erste Lighthouse eröffnen."

Wildberger hat den Vorstandsvorsitz der Ceconomy und die Geschäftsführung der Tochtergesellschaft Media-Saturn-Holding im August von Interims-Chef Bernhard Düttmann übernommen. Düttmann hatte die Position wegen eines Streits mit der Eigentümerfamilie von MediaMarkt länger inne als geplant. Wildberger war zuvor Vertriebsvorstand des Energieversorgers Eon, hat aber auch Erfahrungen in der Telekommunikationsbranche gesammelt.

(vbr)