Medienbericht: Facebook könnte politische Werbung verbannen

Laut internen Quellen überlegt Facebook, Wahlwerbung direkt vor den US-Wahlen zu verbieten. Das Netzwerk steht wegen politischer Werbung bereits in der Kritik.

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(Bild: Michael Vi/Shutterstock.com)

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Wie der US-Nachrichtendienst Bloomberg berichtet, spielt Facebook mit dem Gedanken, politische Werbung vor den US-Wahlen im November von seinen Seiten zu verbannen. Bloomberg bezieht sich auf interne Quellen, die nicht genannt werden wollen. Eine endgültige Entscheidung sei dazu aber noch nicht gefallen.

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Auf der einen Seite könne ein Werbestopp verhindern, dass Falschinformationen zu den Wählern gelangten. Auf der anderen Seite sorge sich Facebook aber um die "Get out and vote"-Kampagne, mit der die Wahlbeteiligung angekurbelt werden soll. Außerdem würde es den Kandidaten so erschwert werden, auf die Nachrichtenlage beziehungsweise neue Informationen zu reagieren.

Sollte Facebook politische Werbung im Vorfeld der US-Wahlen tatsächlich verbieten, wäre dies ein weiteres Einlenken im Zuge der aktuellen Debatte. Bisher unterzieht das Unternehmen Wahlwerbung keinem Faktencheck. Was ihm schon länger Kritik unter anderem von Bürgerrechtlern einbringt.

Aus Protest gegen den Umgang mit Hasskommentaren haben sich außerdem viele Großkonzerne einem Werbeboykott angeschlossen. Dazu gehört der Konsumgüterriese Unilever ebenso wie der Sporthersteller Adidas. Darauf reagierte Facebook-Gründer Mark Zuckerberg mit der Ankündigung, stärker gegen Hassnachrichten vorzugehen, Falschmeldungen unmittelbar vor der US-Präsidentenwahl zu löschen sowie die Standards für Werbung zu erhöhen.

Bereits im Juni erklärte das soziale Netzwerk außerdem, künftig Medien zu kennzeichnen, die staatlich kontrolliert seien. Diesen so gekennzeichneten Medien soll es ab Sommer nicht mehr erlaubt sein, Facebook-Werbung im US-Umfeld zu schalten. Außerhalb der USA werde diese Werbung mit entsprechender Kennzeichnung laufen.

Facebook wolle so verhindern, dass ausländische Akteure Einfluss auf die öffentliche Debatte in den USA nehmen. Damit reagiert das Unternehmen darauf, dass sein soziales Netzwerk während der US-Präsidentschaftswahl 2016 für Kampagnen aus Russland missbraucht wurde.

Die Reaktionen auf einen möglichen Werbebann sind bisher eher kritisch. So zitiert Bloomberg unter anderem Facebooks ehemaligen Security-Mann Alex Stamos mit den Worten: "Politische Werbung zu verbieten, hilft nur jenen mit Geld, politischem Amt und medialer Aufmerksamkeit". Davon könne Donald Trump sogar profitieren. Auch ein Verantwortlicher für die Kampagne des demokratischen Kandidaten Joe Biden kritisierte, dass dies keine wirksame Methode sei, gegen Falschinformationen vorzugehen.

(ssi)