Medienbericht: Geplanter digitaler EU-Impfpass offenbar nicht fälschungssicher

Der digitale EU-Impfnachweis ist anfällig für Fälschung, weil der Nachweis aus dem gelben Impfbuch ungeprüft übernommen wird, berichtet eine Zeitung.

Lesezeit: 1 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 425 Beiträge
Person mit Reisepass und digitalem Impfnachweis in einer Smartphone-App wartet auf dem Flughafen.

(Bild: Shutterstock.com/ronstik)

Von
  • Tilman Wittenhorst

Der geplante EU-weite digitale Nachweis über eine Impfung gegen die vom Coronavirus SARS-CoV-2 hervorgerufene Krankheit COVID-19 lässt sich laut einem Medienbericht weitgehend problemlos fälschen. Nach Plänen des Bundesgesundheitsministeriums sollen Geimpfte den Nachweis aus ihrem herkömmlichen, 'gelben' Impfpass etwa in Arztpraxen, Apotheken oder einem Impfzentrum umstandslos – also ohne Verifikation – auf den neuen, digitalen EU-Impfausweis übertragen lassen können. Weil jedoch der 'analoge' Nachweis im bisherigen Impfbuch mit überschaubarem Aufwand gefälscht werden könne, sei auch das darauf aufbauende, digitale Zertifikat der EU anfällig für Fälschung, schreibt die Welt am Sonntag.

Ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums soll der Zeitung gegenüber eingeräumt haben, dass eine solche Sicherheitslücke bei der Digitalisierung des Nachweises bestehe. Daher sei bei der Überprüfung der herkömmlichen Impfbücher "besondere Vorsicht geboten" – und das gelte insbesondere, wenn "die Informationen in einen digitalen Impfpass übertragen werden", zitiert die Welt das Ministerium (hinter Paywall).

Am digitalen Impfnachweis, dem sogenannten "grünen Zertifikat", wird derzeit mit Hochdruck gearbeitet. Bereits am 7. Mai soll die Technik einsatzbereit sein und am 10. Mai sollen erste Tests beginnen, bei denen die jeweiligen nationalen IT-Infrastrukturen sich mit einem zentralen Gateway verbinden. Der offizielle Start ist für den 1. Juni geplant.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte angekündigt, dass der digitale Impfnachweis schnellstmöglich zugänglich gemacht werde. Er solle in "der zweiten Hälfte des zweiten Quartals" einsatzbereit sein. Dafür solle zudem das Infektionsschutzgesetz entsprechend geändert werden. Auf dem unkomplizierten digitalen Nachweis einer wirksamen Impfung gegen COVID-19 ruhen nicht zuletzt große Hoffnungen, rasch zu einem normalen öffentlichen Leben zurückzukehren und beispielsweise an Veranstaltungen teilzunehmen, zu denen Geimpfte per digitalem Nachweis Zutritt erhalten.

Lesen Sie auch

Der Chaos Computer Club (CCC) sieht die Verantwortung für die aufgedeckte Sicherheitslücke beim Bundesgesundheitsministerium, schreibt die Welt am Sonntag weiter. Dessen Sprecher Matthias Marx teilte mit, beim Eintrag in das gelbe Impfbuch fehle eine Absicherung gegen Fälschung komplett. Dies hätte besser gelöst werden könne, etwa mit Hologramm-Aufklebern oder geprägtem Papier – jedenfalls "mit Materialien, die sich nicht jeder auf Amazon zusammenklicken kann", zitiert die Zeitung Marx.

(tiw)