Medienbericht: Mutmaßliche Verantwortliche der Pornoplattform xHamster enttarnt

Die bislang anonym gebliebenen Inhaber der Pornoplattform sind offenbar identifiziert. Zwei Russen sollen sich hinter zahlreichen Tarnfirmen versteckt haben.

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(Bild: Shutterstock/Empirephotostock)

Von
  • Tilman Wittenhorst

Die bislang unbekannten Betreiber der Pornoplattform xHamster sind höchstwahrscheinlich durch Recherchen enttarnt worden. Unter den einschlägigen Plattformen hat xHamster einen gewissen Ruf: Die Website fällt immer wieder dadurch negativ auf, dass bei ihr illegale Inhalte auftauchen, etwa Videos oder Bilder von nicht einvernehmlichem Sex, Darstellungen von Sex mit Minderjährigen sowie Spannervideos. Die Betreiber sind offenbar zwei Männer aus Russland, die xHamster über ein komplexes Offshore-Firmengeflecht mit Zentrum auf Zypern betreiben. Das haben Recherchen der Reportageformats STRG_F von funk/NDR sowie des Magazins Der Spiegel ergeben.

Beim Entflechten der Firmenstruktur fiel dem Rechercheteam ein Name immer wieder auf: Oleg N. Der 38 Jahre alte Russe ist laut einem Tagesschau-Bericht über die Recherche-Ergebnisse unter anderem Mehrheitseigner der auf Zypern ansässigen IT-Firma Wisebits, bei der die weltweiten, bis zu den Jungferninseln reichenden Verflechtungen von Unternehmen und Holdings zusammenlaufen.

Wer Kontakt zu xHamster sucht – etwa über das Beschwerdeformular wegen unzulässiger Inhalte –, landet bei einer "Hammy Media" genannten Firma, ebenfalls auf Zypern ansässig. Dabei handelt es sich offenbar um eine Scheinfirma: Der im Handelsregister angeführte Inhaber bestätigt zwar seine Funktion, bezeichnet sich jedoch auch als "Rentner" – und ist wiederum als Inhaber zahlreicher weiterer Firmen auf der Insel eingetragen.

Aufgefallen ist das Konstrukt durch eine Geldwäsche-Verdachtsmeldung: Obwohl "Hammy Media" in 9 Jahren lediglich ca. 780.000 Dollar an Gewinn auswies, flossen durch das dahinter liegende Firmengeflecht Zahlungen in Millionenhöhe. Zwei Firmen daraus tauchten auch in den Verdachtsmeldungen auf, die das Rechercheteam einsehen konnte. Ein Bank-interner Alarm schlug an, weil das Geldinstitut das Ziel der Zahlungen nicht nachvollziehen konnte.

Da Oleg N. Wisebits zu 90 Prozent besitzt und die Gewinne aus dem Firmengeflecht letztlich dort zusammenlaufen, gilt er den Autoren der Recherche als Hauptprofiteur von xHamster. Die Verschleierungen über die komplexen Finanzströme und das Tarnunternehmen "Hammy Media" sollen offenbar die wahre Identität der xHamster-Inhaberschaft verbergen. Die Domain für xHamster wurde 2007 zunächst anonym registriert, später reichte eine Person unter einem Pseudonym eine Moskauer Adresse nach. Diese ist laut Grundbucheintrag einem Oleg N. zugeordnet, dieser Name taucht auch in den Firmenpapieren immer wieder auf.

Ein zweiter Name, auf den das Rechercheteam in Unterlagen immer wieder stieß, ist Dmitry G. Er hält die restlichen 10 Prozent der Anteile an Wisebits und ist in der örtlichen IT-Szene auf Zypern wohlbekannt. Anonyme Quellen dieser Szene bestätigten dem Rechercheteam, dass N. und G. als "Chefs" von xHamster gelten, auch wenn sie zahlreiche Pseudonyme nutzen. Eine direkte Bestätigung gibt es dafür jedoch nicht, da die beteiligten Firmen und Personen auf Anfragen nicht antworteten.

Bislang war unbekannt, wer überhaupt hinter xHamster steckt, Verantwortliche mussten sich noch nie offiziell äußern, etwa zu wiederholter Kritik an den illegalen Inhalten auf der Plattform. Zwar verbieten die Nutzungsbedingungen von xHamster das Hochladen von Material, das nicht einvernehmlich entstanden ist. Jedoch gilt es in der Branche der Pornoplattformen als offenes Geheimnis, dass sich xHamster darauf verlegt hat, auf genau dieses Material spezialisiert zu sein. Solche Inhalte werden mitunter auch rasch gelöscht, nachdem Betroffene sich melden. Jedoch tauchen sie nur Minuten später wieder auf und Anzeigen laufen ins Leere.

Eine Reportage zu den Recherchefunden veröffentlicht STRG_F am Sonntag (17.10.) um 18 Uhr auf seinem YouTube-Kanal.

(tiw)