Medienmäzen Google: Netzpolitik.org untersucht Geld- und Einfluss

Google finanziert zunehmend journalistische Projekte und unterstützt Verlage – allerdings nach eigenem Gutdünken statt Gesetzen.

Lesezeit: 2 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 8 Beiträge

(Bild: achinthamb/Shutterstock.com)

Von
  • Eva-Maria Weiß

Google investiert Millionen in den Journalismus. Aber warum eigentlich? Wohin genau geht das Geld? Und hat das Einfluss auf die Berichterstattung? Zwei Journalisten von Netzpolitik.org sind dem in einer vom DGB und der Otto-Brenner-Stiftung finanzierten Studie nachgegangen. Dafür haben sie mit mehr als zwei Dutzend Journalisten und Managern gesprochen.

Mehr als 200 Millionen Euro sollen in den vergangenen sieben Jahren an europäische Medienkonzerne geflossen sein. Die News Initiative ist Googles Sparte, die sich um solche Vorhaben kümmert und mit den Konzernen in Kontakt tritt. Zuletzt ist News Showcase gestartet; dahinter steckt ein Lizenzmodell für Artikel von Partner-Verlagen, die Google dann in separaten Nachrichtenseiten ausspielt. Auftakt macht Deutschland, insgesamt plant Google weltweit eine Milliarde US-Dollar für die Lizenzen auszugeben.

Die Analyse der Förderung in Europa ergab, dass Google vor allem etablierte, kommerzielle und westeuropäische Verlage unterstützt. Von 140 Millionen, die zwischen 2015 und 2019 über die Digital News Initiative ausgegeben wurden, kamen drei Viertel kommerziellen Verlagen zugute, fünf Prozent landeten bei nicht profitorientierten Medien. Der Rest ging an Einzelpersonen, Forschungsinstitute, öffentlich finanzierte Medien und nicht-publizistische Organisationen.

Auch heise online hat sich an Googles Förderprogramm Digital News Initiative beteiligt: Mit den Mitteln wurde unser Open-Source-Projekt Embetty gefördert. Durch Embetty lassen sich Social-Media-Inhalte datenschutzfreundlich in Webseiten einbetten. Ruft ein Besucher eine Seite mit Embetty-Inhalten auf, werden keine Daten an die Betreiber der sozialen Netze übertragen. Ursprünglich hatten wir Embetty unter der Bezeichnung c't Content Shariff bei Google eingereicht, weshalb das Projekt dort unter dieser Bezeichnung zu finden ist.

Die Daten für Deutschland zeigen, dass zudem Regionalverlage schlechter wegkommen als große Häuser. Top-Empfänger sind laut der Untersuchung die Wirtschaftswoche, Deutsche Welle und das Handelsblatt.

Google sieht sich seit Jahren mit Vorwürfen konfrontiert, von den journalistischen Inhalten der Verlage zu profitieren – ohne dafür zu zahlen, ihnen dafür aber auch noch die Werbeeinnahmen streitig zu machen. In Deutschland wie auch anderen Ländern wird deshalb über ein Leistungsschutzrecht diskutiert. Es wird Teil der EU-Reform des Urheberrechts. Frankreich zwingt Google bereits mit Verlagen über die Vergütung der Nutzung von Inhalten zu verhandeln. Australien plant Schiedsverfahren bei Lizenzabsprachen, wogegen Google sich massiv wehrt.

Nun heißt es in einem Artikel auf Netzpolitik.org zu der Untersuchung: "Durch eine Rekonstruktion der Entstehungsgeschichte von Googles Förderprogrammen können wir zeigen, dass sie als Reaktion auf den immer stärker werdenden medienpolitischen Druck der Verlage in den 2010er Jahren entstanden sind." Vor Einrichtung der Digital News Initiative gab es bereits einen Medien-Fonds in Frankreich – er habe eine Debatte um die Beteiligung der Verlage an Googles Werbeeinnahmen beenden sollen. Und so zeichneten die Interviewpartner auch ein Bild von Googles Initiativen als PR-Maßnahmen, um "das zerrüttete Verhältnis mit den Medien zu kitten und Regulierung abzuwenden".

Die Befragten gaben ebenfalls an, dass Google nicht versucht, in die Berichterstattung einzugreifen. Förderungen etwa würden laut des Konzerns von Jurys mit vorwiegend externen Mitgliedern entschieden. Allerdings äußerten mehrere Journalisten die Sorge, Google-Gelder könnten zu einer "Selbstzensur" und zu "Beißhemmungen" führen.

Neben den Förderungen finanziert Google auch Fellowships, bietet kostenlose Trainings für Journalisten und sponsort Events und Messen. Das beschreiben die Autoren mit einer "Sorge vor korrumpierender Nähe".

Laut einer anderen Studie, vor einem Jahr vom Reuters-Institut der Universität Oxford durchgeführt, ist Google in der Medienbranche der beliebteste Digitalkonzern. Finanziert wurde diese Studie, wie Netzpolitik.org schreibt, von Google selbst.

(emw)