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Mehr Bits für Farbe

Wenn es um Bildqualität geht, ist das technisch Machbare gerade gut genug: Mehr Bildinformationen bei 16- statt bei 8-Bit-Farbtiefe. Wir zeigen Ihnen, wie Sie Licht und Farben mit möglichst geringen Verlusten in Bytes und Pixel umsetzen können.

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Inhaltsverzeichnis

Zu der Zeit, als elektronische Bildübertragung aus den Labors in die Wohnzimmer kam, musste man mit jeder Verstärkerröhre, später mit jedem Transistor knausern. Zu Beginn des Digitalzeitalters waren Speicherplatz und Rechenzeit die knappen Güter, deren möglichst effiziente Nutzung zahlreiche Kompromisse erforderte. Zwei davon heißen Gamma und 8-Bit-Digitalisierung – Relikte aus der Urzeit der Bildübertragung, die heute noch im Gebrauch, aber eigentlich nicht mehr notwendig sind. Mehr und mehr erweisen sie sich als Hürden auf dem Weg vom Motiv zu einem Bild, das nicht nur auf der LCD-Anzeige der Kamera, sondern auch auf dem hochauflösenden TV-Monitor und dem Fine-Art-Print perfekt aussieht. Zwar werden wir noch eine Weile mit diesen Relikten leben müssen, doch können wir deren Begrenzungen schon an vielen Stellen aufheben oder umgehen. Hardwarenahe Bildkorrekturen setzen dort an, wo es noch keine Gammaverzerrungen und Bittiefen- Einschränkungen gibt. Auch für die beiden Aufgaben, den Helligkeitsumfang und den Farbumfang eines Motivs aus der realen Welt komplett in der virtuellen Welt zu speichern, gibt es mit dem 32-Bit-HDR-Format bereits eine Lösung – aber dazu mehr in der Kontrast Trickkiste. Widmen wir uns zuerst den Möglichkeiten, Kontrast und Farben, wenn schon nicht verlustfrei, so doch optimal zu erhalten und zu verarbeiten.

Ob ein Bild flau oder knackig, scharf oder soft aussieht, ist alles eine Frage des Kontrastes. Sicher ist es Ihnen schon passiert, dass ein Foto von einem idealen, kontrastreichen und farbenfrohen Motiv langweilig und flau aussah. Die „Übersetzung“ des unter Umständen viele Zehnerpotenzen großen Motivkontrasts in den möglichen Kontrastumfang eines Monitors oder Papierbildes ist eine Wissenschaft für sich. Ausschlaggebend für die Bildwirkung ist letztlich immer der lokale Kontrast auf dem konkreten Medium, auf dem das Bild betrachtet wird.

LightZone gestattet die Auswahl und selektive Verschiebung von bis zu 14 Helligkeitszonen. Welche Bildbereiche betroffen sind, wird in der Vorschau gelb markiert.

Der amerikanische Fotograf Anselm Adams hat für Papierabzüge ein ebenso legendäres wie kompliziertes „Zonensystem“ entwickelt. Kompliziert war es im Chemiezeitalter – wenn Sie in einem Bildbearbeitungsprogramm die Gradationskurve über Stützpunkte verschieben, machen Sie im Grunde nicht anderes. Solche Kontraständerungen per Gradationskurve sind etwas verzwickt und nicht ganz ungefährlich für das Bild: Im RGB-Farbraum bewirken sie schnell ungewollte Farbverschiebungen, und generell verursachen flache oder sogar fallende Kurvenstücke hässliche flaue Bereiche bis hin zur Tonwertumkehr. Korrekturen im „Luminanzkanal“ (womit meist die Lab-Helligkeit gemeint ist) können diese Gefahr verringern. Eine noch bessere Kontrolle gestattet das speziell darauf ausgelegte Programm LightZone. Mit dem ZoneMapper-Werkzeug ist die getrennte Verschiebung von bis zu 14 Helligkeitsbereichen möglich. Noch bessere Ergebnisse als mit globalen Änderungen der Bildgradation erreicht man mit lokalen Kontrasterhöhungen. Dazu genügt oft schon der Unscharf-maskieren- Filter (mit geringer Stärke, aber hohem Radius).

In LightZone heißt das speziell dafür ausgelegte Tool ToneMapper. Erstaunliche Wirkungen sind mit dem Einsatz von Masken erzielbar. Der Filter Tiefen/ Lichter aus Photoshop arbeitet intern mit solchen Masken. Fast ebenso wichtig wie der Helligkeitskontrast ist der Farbkontrast eines Bildes. Um ihn zu beeinflussen, taugt der übliche Sättigungsregler aus dem Dialog Farbton/ Sättigung jedoch wenig, da er die Sättigung aller Farben proportional erhöht – also ohnehin bereits gesättigte Farben am höchsten. Bessere manuelle Methoden arbeiten mit Sättigungsmasken, eine ähnliche Wirkung wird mit den Vibrance-(Lebendigkeit-) Reglern in manch neueren Programmen erzielt.

Voraussetzung sowohl für die klassischen als auch die modernen Korrekturmethoden ist, dass es im Bild genügend „Tonwertmaterial“ gibt. Das ist bei einem JPEG-Bild in 8-Bit- Farbtiefe, wie es aus der Digitalkamera kommt, nur sehr eingeschränkt der Fall – vor allem für eine wirksame Tiefenaufhellung fehlt es an rauschfreier Bildinformation in den Tiefen. Würde diese Tiefenaufhellung stattfinden, bevor die Helligkeitsinformationen des Sensors in die 8-Bit-Farbtiefe der JPEG-Datei gezwängt werden, sähe es besser aus. Deshalb heißt der erste Grundsatz für qualitätsbewusste Fotografen: Arbeit mit Raw-Dateien.