Mehr Vulkanausbrüche dank Klimawandel: Genaue Folgen noch ungewiss

Die Klimaerwärmung wird sogar dafür sorgen, dass mehr Vulkane ausbrechen. Ob das die Erhitzung der Atmosphäre abbremst, ist noch nicht klar.

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Die Eruption des Pinatubo

(Bild: Dave Harlow, USGS)

Die von Menschen verursachte Klimaerwärmung könnte dafür sorgen, dass mehr Vulkane ausbrechen und diese die globale Klimaerwärmung sowohl antreiben als auch bremsen werden. Das haben Forscher und Forscherinnen der Universität Cambridge und der britischen Wetterbehörde mithilfe von Computermodellen ermittelt. Welcher der beiden Effekte letztlich überwiegend wird, müsse aber noch ermittelt werden. Ihre Forschung zeigt einmal mehr auf, wie verschiedenartig die Folgen des Klimawandels sind und wie viel immer noch nicht bekannt ist. Die nun studierten Auswirkung auf die vulkanischen Aktivitäten seien jedenfalls noch nicht in den jüngsten Bericht des Weltklimarats eingeflossen, aktuell gebe es dazu noch mehr Fragen als Antworten.

Auch wenn Vulkanausbrüche zu den heftigsten und stärksten Naturereignissen der Erde gehören, mache die von Menschen verantwortete Veränderung des Klimas auch davor nicht halt, erläutert das US-Fachmagazin Science. So sorge das Schmelzen mächtiger Eisschichten etwa in Island und anderswo für mehr vulkanische Aktivitäten und damit mehr Ausbrüche. Gleichzeitig hätten die Simulationen gezeigt, dass die größten Vulkanausbrüche wegen Veränderungen in der Atmosphäre heftigere Folgen haben werden. Unter anderem könnte der ausgestoßene Staub sich länger in der Atmosphäre halten und mehr Sonnenlicht reflektieren. Solche gigantischen Eruptionen, wie beispielsweise die des Pinatubo auf den Philippinen würden die Atmosphäre also stärker kühlen als vor der Anreicherung mit Treibhausgasen.

Während diese riesigen Eruptionen, die typischerweise etwa ein- bis zweimal pro Jahrhundert auftreten würden, die Erde also künftig stärker abkühlen, werde bei den kleineren genau das Gegenteil passieren. Ausbrüche mittlerer Größe wie etwa die des Vulkans Nabro in Eritrea im Jahr 2011 werden künftig nicht mehr genug Kraft haben, um Aerosole über die Tropopause zu katapultieren, wo sie länger Sonnenlicht reflektieren. Der Kühlungseffekt dieser kleineren Ausbrüche könnte maximal um bis zu 75 Prozent sinken, schreibt das Team. Welcher Effekt insgesamt überwiegen wird, können die Forscher und Forscherinnen noch nicht sagen. Ihre Simulationen würden aber unterstreichen, dass die Veränderungen der Atmosphäre, die sich vor unseren Augen vollziehen, verschiedenste Folgen haben, deren Konsequenzen wir noch nicht absehen können.

Insgesamt werfe ihre Studie mehr Fragen auf, als sie Antworten liefere, gesteht das Team ein. Ihm komme es vor wie ein Stich ins Wespennest, meint etwa Studienleiter Thomas Aubry. Ihre Hoffnung ist nun, dass sich Vulkanolog:innen und Klimawissenschaftler:innen des Themas annehmen und weitere Erkenntnisse sammeln. Nur dann könne ermittelt werden, ob Vulkane die Klimaerwärmung insgesamt antreiben oder bremsen.

(mho)