Mehr als 20 Prozent mehr entsorgter Elektroschrott seit Lockdown-Ende

Die Deutschen haben den Corona-Lockdown offenbar genutzt, ihre Keller von Elektroschrott zu befreien – Recyclingbetriebe profitieren davon aber jetzt nicht.

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(Bild: c't/Christof Windeck)

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Seit Ende des Corona-Lockdowns ist in Deutschland offenbar mehr als 20 Prozent mehr Elektroschrott entsorgt worden als im gleichen Zeitraum ein Jahr zuvor. "Die weitgehende Reduzierung des Lebens auf das häusliche Umfeld scheint insgesamt zu verstärkten Aufräumaktionen geführt zu haben", sagte Bernhard Jehle, Vorsitzender vom Bundesverband für Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse) der Deutschen Presse-Agentur. Verglichen mit dem gleichen Zeitraum im vergangenen Jahr sei die entsorgte Menge an alten Elektrogeräten um 20 bis 30 Prozent angewachsen. Besonders dort, wo viele Wertstoffhöfe coronabedingt geschlossen hatten, komme nun besonders viel Elektroschrott an, der zwischenzeitlich wohl zu Hause gelagert worden sei. Auch der Neustart in der Industrie sorgt wohl für wachsende Mengen.

Die Recyclingbetriebe, die während des Lockdowns über eine Flaute klagten, können anscheinend vom derzeitigen Boom jedoch nicht profitieren – im Gegenteil: Die Logistik sei nun extrem schnell umzuorganisieren, um zum Beispiel weiterhin eine schnelle Abholung von großen Elektrogeräten leisten zu können. Außerdem bergen volle Lager in den Betrieben, wie sie zurzeit oft vorkommen, laut Jehle auch Gefahren: Insbesondere in Handys verbaute Lithium-Akkus können leicht Brände auslösen.

Der Fachverband fordert daher, dass Handys bereits bei der Annahme – soweit möglich – von ihren Akkus zu trennen sind. Diese Vorgabe werde derzeit zu oft verletzt. Außerdem müssten Gerätehersteller ihre Kunden darüber aufklären, wie wichtig eine richtige Entsorgung sei. Einem aktuellen UN-Bericht zufolge entsorgen viele Bürger ihre alten Geräte einfach im Hausmüll, statt sie zum Wertstoffhof zu bringen.

"Wir befinden uns in einem Teufelskreis", beklagte Jehle. So fehle es in der gelähmten Industrie an Nachfrage nach Metallen. Gleichzeitig sei aber das Angebot sehr hoch. "Wenn ein hohes Angebot auf eine schwache Nachfrage trifft, führt dies wiederum zu fallenden Metallpreisen und wegschmelzenden Margen für die Recyclingunternehmen."

(ane)