Weltraumteleskop James Webb: Scharfes Bild nach erfolgreicher Kalibrierung

Das erste Instrument des Weltraumteleskops erhält jetzt so scharfe Bilder wie geplant. Dabei zeigt sich, dass die Erwartungen nicht übertrieben waren.

Lesezeit: 3 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 200 Beiträge

Das jüngste Kalibrierungsbild

(Bild: NASA/STScI)

Von
  • Martin Holland

NASA und ESA machen bei der Vorbereitung des Weltraumteleskops James Webb weiter Fortschritte. Nachdem in der vergangenen Woche die Feinabstimmung der optischen Elemente abgeschlossen wurde, sei nun die Infrarotkamera als primärer Bildgeber auf das Spiegelsystem abgestimmt worden, teilten die Organisationen am Mittwoch mit. In den kommenden sechs Wochen sollen die weiteren Instrumente kalibriert werden.

Nach erfolgreicher Ausrichtung der Infrarotkamera haben die Weltraumagenturen ein Bild des jetzt zur Kalibrierung verwendeten Sterns veröffentlicht. War der erste anvisierte auf den bisherigen Testaufnahmen nur unscharf und mehrfach abgebildet, ist die Aufnahme inzwischen so scharf, dass im Hintergrund Galaxien und viel weiter entfernte Sterne zu sehen sind.

Das Instrument funktioniere wie erwartet oder sogar besser, erklärt die Europäische Weltraumagentur. Außerdem habe man keine "kritischen Probleme", keine messbare Kontaminierung und keine Blockaden in der Optik gefunden. Die beteiligten Organisationen ESA, NASA und CSA zeigten sich zuversichtlich, dass James Webb seine wissenschaftliche Funktion voll erfüllen kann.

Nachdem die 18 Teile des Hauptspiegels nun auf die Nahinfrarotkamera NIRCam ausgerichtet wurden, seien nun die restlichen Instrumente an der Reihe, heißt es von der ESA. Das werde etwa bis Anfang Mai dauern, die dann noch nötigen Vorbereitungen würden weitere zwei Monate in Anspruch nehmen. Im Sommer werde James Webb erste wissenschaftliche Daten und Bilder in voller Auflösung liefern.

Das James-Webb-Weltraumteleskop der Weltraumagenturen NASA, ESA und CSA war am 25. Dezember gestartet. Nachdem es sich selbst entfaltet hat, war es einen Monat später am Lagrange-Punkt L2 angekommen. Hier blickt es abgewandt von Sonne, Erde und Mond ins All, sodass die Wärmestrahlung der Himmelskörper das Infrarotteleskop nicht stört. Bis es seine wissenschaftliche Arbeit aufnehmen kann, muss es aber nicht nur perfekt ausgerichtet werden, sondern auch noch auf die dafür nötige Temperatur von 40 Kelvin (minus 233°C) abkühlen.

Lesen Sie auch

Für die Feinkalibrierung hatte das Instrument anfangs den Stern HD 84406 im Sternbild Großer Bär ins Visier genommen. Der eignete sich dafür besonders gut, weil sich in seiner Umgebung keine ähnlich hellen Sterne befinden. Inzwischen wäre er zu hell und das Ziel wurde gewechselt: Zu sehen ist jetzt ein Stern mit der Bezeichnung 2MASS J17554042+6551277. Weil jeder Teil des Hauptspiegels den Stern anders reflektierte, zeigte die erste Aufnahme ein Durcheinander aus 18 Abbildungen des gleichen Sterns, die erst einmal den einzelnen Teilen zugeordnet werden mussten. Die wurden dann richtig angeordnet und danach übereinander gelegt. Jetzt wurden die Spiegel so genau ausgerichtet, dass die Abweichungen kleiner sind als die Wellenlänge des Lichts.

Kalibrierungsbilder des Weltraumteleskops James Webb (5 Bilder)

Am Anfang war ein Durcheinander
(Bild: NASA/STScI)

[Update 16.03.2022 – 19:35 Uhr] Der zur Kalibrierung genutzte Stern wurde zwischenzeitlich geändert, das wurde korrigiert.

(mho)