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Fotoprojekt Campanile: 70 Jahre Buchenwald

Die Fotoausstellung "Landschaft mit Campanile I" des Fotografen Aribert J. Spiegler zeigt, wie nahe das Grauen von Buchenwald war - ohne, dass es von der Bevölkerung gesehen werden wollte.

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(Bild: Aribert Janus Spiegler)

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Zum 70. Jahrestag der Befreiung des KZ Buchenwald hat der Fotograf Aribert Janus Spiegler in Erfurt die Fotoausstellung "Landschaft mit Campanile I" eröffnet. Über mehrere Monate hat er in den benachbarten Städten nach optischen Bezugspunkten zum Campanile gesucht. Ein Campanile ist ein freistehender Glockenturm. Auf dem Ettersberg wurde er in Erinnerung an die Opfer des Konzentrationslagers errichtet. Durch die erhöhte Lage ist der Campanile auch in großer Entfernung gut sichtbar.

Das Konzentrationslager wurde im Zeitraum vom Juli 1937 bis zum April 1945 von den Nationalsozialisten auf dem Ettersberg bei Weimar betrieben. Man geht davon aus, dass in dieser Zeit über 50.000 Menschen dort ihr Leben lassen mussten. Die mit dem aktuellen Jahrestag gefeierte Befreiung von den Nationalsozialisten ist mit der endgültigen Stillegung des Lagers allerdings nicht gleichzusetzen. Die Sowjetische Militäradministration nutzte die Örtlichkeiten unter dem neuen Namen Speziallager Nr. 2 als Internierungslager für ihre politischen Gegner. In diesem Zeitraum starben weitere 7000 Menschen in Buchenwald.

In der Bilderstrecke finden Sie Bilder der Ausstellung. Die Bildunterschriften basieren auf den Angaben des Fotografen beziehungsweise seiner Presseagentur.

Landschaft mit Campanile I: Zwischen Nationaltheater und KZ (7 Bilder)

Die Ofenbauer von Auschwitz: "Stets gern treu zu Ihren Diensten"

Auf dem Foto ist der Zeichensaal von Topf & Söhne in Erfurt zu sehen – den Ofenbauern von Ausschwitz. Ein Blick aus dem Fenster der ehemaligen Arbeitsplätze der Ingenieure zeigt, wie nah das Grauen war. Ganz klein, im unteren Feld des linken Fensters, ist der Turm der Gedenkstätte des Konzentrationslagers Buchenwald zu sehen. Dafür ist aber der Ettersberg umso deutlicher zu erkennen, heute wie damals, als die Ingenieure zum Fenster hinaus schauen konnten und zugleich wussten, dass die von der Firma J. A. Topf & Söhne projektierten und hergestellten Verbrennungsöfen an jenem Ort zum Einsatz kamen. Doch damit nicht genug. Von Ehrgeiz getrieben entwickelten sie im Auftrag der SS ab 1942 für das Vernichtungslager Auschwitz Verbrennungsöfen, die die Massenvernichtung erst möglich machten. Der in Europa einzigartige Erinnerungsort Topf & Söhne vermag die Mittäterschaft der privaten Wirtschaft am Massenmord in den nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslagern zu belegen und die so wichtige Frage nach der Verantwortung eines jeden Menschen im gewöhnlichen beruflichen Alltag zu stellen.

Der Firmenspruch des Ofenbauers lautete: „Stets gern treu zu Ihren Diensten.“ (Bild: Aribert Janus Spiegler)

(sts)