Mercedes auf der Bauma: Richtung Strom

Mercedes zeigt auf der Messe Bauma in München einen E-Lkw für den Bau und einen Auflieger, der sich mit einer elektrischen Zugmaschine koppeln lässt.

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Mercedes-Benz Trucks

(Bild: Mercedes-Benz Trucks)

Von
  • Martin Franz
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Schon auf der IAA Nutzfahrzeuge im September ließ sich erkennen, dass die Lkw-Transport-Branche zweigleisig in die Zukunft fährt. Wasserstoff wird hier mit hoher Wahrscheinlichkeit eine größere Rolle spielen als in Pkws. Allerdings werden auch dem batterieelektrischen Antrieb Chancen eingeräumt. Mercedes-Benz Trucks stellt auf der Bauma in München zwei Schritte in diese Richtung vor.

Erstmals gezeigt wird in München der Prototyp "Battery-Electric Arocs" mit elektrischem Fahrmischer. Der Arocs soll durch seinen robusten Aufbau für den harten Einsatz auf Baustellen gerüstet sein. Konzipiert hat Mercedes-Benz Trucks ihn zusammen mit der Paul Group, einem Zulieferer, der sich auf den Bau von Sonderfahrzeugen spezialisiert hat.

Der Antrieb bietet eine Dauerleistung von 300 kW, in der Spitze sollen es mehr als 400 sein. Der Kunde kann wählen, ob er sechs oder sieben Batteriepakete mit jeweils 60 kWh haben möchte. Die Spannungsebene liegt bei 800 Volt, geladen werden können sie mit maximal 150 kW. Die Ladekurve muss relativ flach verlaufen, denn der Hersteller verspricht für die Aufladung von 20 auf 80 Prozent für das Modell mit 360 kWh – also sechs Batteriepaketen – eine Ladezeit von 90 Minuten. Übersetzt würde das in diesem Ladefenster eine durchschnittliche Ladeleistung von 144 kW bedeuten, zu denen die Ladeverluste noch hinzugerechnet werden müssen.

Der Arocs setzt auf ein Batteriesystem, bei dem der Kunde zwischen 360 und 420 kWh Energiegehalt wählen kann.

(Bild: Mercedes-Benz Trucks)

Für den Fernverkehr sind solche Ladeleistungen kaum attraktiv. Hier dürfte es von Fuhrunternehmern Forderungen nach wesentlich kürzeren Ladezeiten geben. In welchen Dimensionen man langfristig denkt, zeigt ein noch Experiment der TU München. Dort wurde von Ladeleistung bis zu drei Megawatt gesprochen. Von einer Umsetzung in einen serienmäßigen Lkw ist man aber noch weit entfernt, auch auf Seiten der Infrastruktur.

Zweite Neuerung scheint nur auf den ersten Blick eine Kleinigkeit in Richtung E-Mobilität zu sein. Bislang war es nicht ohne weiteres möglich, eine hydraulische Arbeitsausrüstung wie etwa Kippsattel- oder Schubbodenauflieger mit einer elektrischen Zugmaschine zu kombinieren. Zusammen mit Meiller, einem Hersteller von Kippern, stellt Mercedes-Benz Trucks eine Lösung vor. Bei der treibt ein E-Motor eine hydraulische Pumpe an, Strom kommt aus der Traktionsbatterie. In der Studie, die in München gezeigt wird, bietet der E-Motor 58 kW und 300 Nm, im Serienmodell soll es mehr sein, verspricht Mercedes.

Vorteil dieses Aufbaus ist eine lokale CO₂-Vermeidung, denn hier muss kein Dieselmotor laufen, um die Ladefläche anzuheben. Außerdem sinkt die Geräuschbelastung. Das wichtigste Argument in einem Bereich, in dem scharf gerechnet wird, dürfte aber sein, dass bei einem Wechsel des Energieträgers in der Zugmaschine keine neuen Auflieger angeschafft werden müssen.

(mfz)