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MBUX Hyperscreen: Mercedes zeigt volldigitales Fahrzeugcockpit

Mercedes Benz hat auf der CES das Cockpit der Zukunft vorgestellt. Der MBUX-Hyperscreen vereint insgesamt drei Displays unter einer durchgehenden Glasfront.

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(Bild: Mercedes)

Von
  • Stefan Porteck

Im MBUX Hyperscreen steckt ein Tacho-Display mit einer Diagonalen von 12,3 Zoll (31 Zentimeter). Das Infotainment-Display in der Mitte bringt es auf eine Diagonale von 17,7 Zoll (45 Zentimeter) und eine Auflösung von 2400 × 900 Bildpunkten. Bislang unüblich ist das dritte Display auf der rechten Seite (ebenfalls 12,3 Zoll / 31 Zentimeter), das den Beifahrer unterhalten soll. Insgesamt bringt es der Hyperscreen mit den drei Displays auf eine Breite von 141 Zentimetern. Alle drei Displays nutzen OLED-Technik, was für eine kontraststarke Darstellung sorgen dürfte, da schwarze Flächen wirklich pechschwarz angezeigt werden. Sie stecken hinter einer leicht geschwungenen Front aus Gorilla-Glas.

EQS mit einzigartigem MBUX Hyperscreen (Quelle: Mercedes Benz)

Lediglich das mittlere Display reagiert auf Touchgesten und verfügt darüber hinaus über ein haptisches Feedback. Laut Mercedes sitzen dafür insgesamt zwölf Aktuatoren unter den Touchscreen-Flächen und lösen an bestimmten Stellen eine Vibration der Deckscheibe aus. Theoretisch erleichtert haptisches Feedback die Bedienung, ohne die Augen zu lange von der Straße zu lassen.

Mercedes MBUX Hyperscreen (7 Bilder)

Mercedes präsentiert auf der virtuellen CES das MBUX Hyperscreen schwebend im virtuellen Raum.

Um möglichst wenig Ablenkung haben sich die Entwickler auch an anderer Stelle Gedanken gemacht: Auf dem mittleren Schirm steht grundsätzlich die Straßenkarte als Hauptelement sichtbar im Vordergrund. Funktionen wie die Infotainment-Steuerung oder die Regelung von Heizung und Lüftung finden sich als virtuelle Schaltflächen am unteren Bildrand und werden nur bei Bedarf vergrößert. Mercedes nennt das Bedienkonzept "Zero Layer". Damit soll das Scrollen durch Listen und das Klicken in endlosen Menüs und Untermenüs der Vergangenheit angehören.

Da bei einem modernen PKW schnell ein Dutzend physischer Knöpfe zusammenkommt, bietet das Display nicht genug Platz. Das Problem will Mercedes mit KI angehen: Insgesamt gibt es rund 20 sogenannte "Magic Modules", etwa für die Heizungs- oder Sitzeinstellungen. Welche Knöpfe der Fahrer gerade benötigt und entsprechend angezeigt werden, soll das System mit Hilfe künstlicher Intelligenz selbst entscheiden. Falls das System mal daneben liegt, sollen sich alternativ 99 Prozent der Funktionen auch per Sprachbefehl aufrufen lassen.

Beim Display auf der Beifahrerseite geht es nicht ganz so feudal zu: Laut Mercedes unterstützt es keine Toucheingaben. Dafür dass der videoschauende Beifahrer den Fahrer nicht ablenkt, sorgt die auf der Fahrerseite montierte Kamera. Sie dient nicht nur der Müdigkeitserkennung, sondern soll auch bemerken, wenn der Fahrer aufs Beifahrer-Display schaut. Offenbar wird dort dann die Videowiedergabe gestoppt.

Unterm Strich wird deutlich, dass der MBUX Hyperscreen ordentlich Rechenleistung benötigt. Wie auch schon die erste MBUX-Generation, die 2018 ebenfalls auf der CES präsentiert wurde, setzt auch die neue Generation auf NVIDIA-Technik. Laut Mercedes sollen acht CPU-Kerne, 24 Gigabyte RAM und eine RAM-Speicherbandbreite von 46,4 Gigabyte pro Sekunde die technischen Eckdaten markieren.

Die Markteinführung soll der MBUX Hyperscreen in der vollelektrisch angetriebenen Limousine EQS erleben. Ob das System in identischer Bauweise zeitnah in anderen Mercedes-Fahrzeugen auftauchen wird, teilte Mercedes bislang nicht mit. Da MBUX vor zwei Jahren in anderer Form in der A-Klasse debütierte und in veränderter Ausgestaltung unlängst in der neuen S-Klasse vorgestellt wurde, dürfte der Hyperscreen vorerst dem EQS vorbehalten bleiben.

All das klingt technisch ambitioniert, wie gut es in der Praxis funktioniert, wie sich das haptische Feedback anfühlt und wie anfällig der Hyperscreen gegen Fingerabdrücke ist, wird erst ein Hands-on zeigen, was auf der virtuellen CES leider nicht möglich war.

(spo)