Messungen am Rand des Sonnensystems: Das Universum ist heller als gedacht

Die Plutosonde New Horizons ist weiter von der Sonne entfernt als fast alle Instrumente. Trotzdem ist ihr Sternenhimmel etwas heller als angenommen.

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New Horizons am Rand des Sonnensystems

(Bild: J. Olmsted (STScI))

Von
  • Martin Holland

Unser Universum ist zwar ziemlich dunkel, aber dabei doch heller als angenommen. Zu diesem Ergebnis kommt zumindest eine Gruppe von Forschern, die Daten der NASA-Sonde New Horizons ausgewertet haben. Die ist immerhin weiter von der Sonne entfernt als fast alle anderen irdischen Instrumente. Mit einem Abstand von deutlich mehr als sieben Milliarden Kilometern zu unserem Heimatstern ist ihr Sternenhimmel messbar dunkler als alles, was wir oder Sonden im inneren Sonnensystem zu sehen bekommen, erklären die Forscher. In dieser Umgebung durchgeführte Messungen hätten nun ergeben, dass es dort jedoch etwas heller ist als gedacht. Der Ursprung dieses Lichts ist noch unbekannt.

New Horizons war 2006 gestartet und hatte am 14. Juli 2015 als erste Sonde überhaupt den Zwergplaneten Pluto passiert. Enthüllt hatte sie eine überraschend komplexe Welt. Vor zwei Jahren erreichte sie dann wieder als erstes Objekt von Menschenhand einen Himmelskörper im noch weiter entfernten Kuipergürtel – Arrokoth mit seiner Schneemann-Form. Seitdem hat sie zwar kein neues Ziel mehr, aber zuletzt hatte sie Astronomen dabei geholfen, die größte Parallaxmessung der Geschichte vorzunehmen. Gleichzeitig funktionieren ihre Instrumente aber weiterhin und sie liefert wertvolle Daten zur Erforschung der Grenze des Sonnensystems.

Derart weit von der Sonne entfernt, sind deren Einflüsse tatsächlich noch einmal deutlich kleinere, erklären die Forscher nun. So sei es um New Horizons etwa zehnmal dunkler als an den dunkelsten Stellen, die das Weltraumteleskop Hubble im Erdorbit ins Visier nehmen kann. Wie hell es bei New Horizons aber genau ist, haben sie mithilfe der sogenannten LORRI-Kameras an Bord ermittelt. Nach dem Abzug bekannter Lichtquellen wie etwa der Milchstraße und von bekannten Reflexionsquellen habe sich ergeben, dass mehr Licht übrig geblieben sei als erwartet. Dessen Ursprung kennen die Wissenschaftler aber nicht, die ihre Analyse auf einem Treffen der American Astronomical Society vorgestellt haben.

Möglich sei, dass eine große Zahl von Zwerggalaxien in der Nachbarschaft der Milchstraße gerade unter der Nachweisbarkeit existieren. Auch könnten die Halos um Galaxien heller sein als bislang angenommen. Möglich sei auch, dass es viel mehr ungebundene Sterne im intergalaktischen Raum gibt als die gegenwärtigen Theorien vorhersagen. Derweil hätten die Messungen aber auch noch ergeben, dass die Zahl an Galaxien, die nicht direkt nachweisbar sind, deutlich geringer sein muss als gedacht. So scheine es "lediglich" Hunderte Milliarden Galaxien im Universum zu geben und nicht rund zwei Billionen, wie zuletzt mit Hubble ermittelt worden war.

Pluto-Sonde New Horizons (67 Bilder)

Plutos Oberfläche
(Bild: NASA/Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory/Southwest Research Institute)

(mho)