"Meta-Cloud": Erster Katalog für Gaia-X-konforme Dienste ist online

Das Onlineverzeichnis soll Interessenten einen Überblick über erste Services bieten, die Regeln und Standards der europäischen Cloud-Initiative Gaia-X befolgen.

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(Bild: gotphotos/Shutterstock)

Von
  • Dr. Stefan Krempl
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Die französische Alianz Gaia-X Federated Services (GXFS-FR) hat auf dem Gipfeltreffen der europäischen Cloud-Initiative am Freitag in Paris einen Piloten für einen Online-Katalog mit 176 Dienstleistungen vorgestellt, die den gemeinsamen Regeln und Standards von Gaia-X entsprechen. Sie will damit Interessenten einen ersten Überblick über Cloud-Services verschaffen, die den gemeinsamen Wertekanon mit Leitlinien wie Offenheit, Transparenz, Souveränität und Selbstbestimmtheit einhalten.

Zu den konkreten Gaia-X-Anforderungen zählen etwa die Datenhaltung in Europa, Sicherheitszertifizierungen, Datenportabilität und eine Pflicht für Anbieter, den ökologischen Fußabdruck ihrer Cloud-Dienste, also vor allem den CO₂-Ausstoß zu begrenzen. Über das Online-Verzeichnis, das zeitnah in den Regelbetrieb überführt werden soll, können Nutzer die enthaltenen Dienste nach Kriterien wie Datenschutz, Cybersicherheit und Datenübertragbarkeit durchsuchen und gezielt auszuwählen.

Filtern lassen sich die Einträge auch bereits nach Gaia-X-Label, Zertifizierungen, Lokalisierung sowie nach Art des Service und den abgedeckten Ebenen. Diese reichen von Infrastructure as a Service (IaaS) über Platforms-as-a-Service (PaaS) bis zu Software-as-a-Service (SaaS). Alle drei Typen erleichtern den Fluss von Nutzerdaten von Front-End-Clients über das Internet zu den Systemen des Cloud-Dienstanbieters und wieder zurück, unterscheiden sich aber durch die angebotenen Leistungen.

Eine gezielte Suche nach einzelnen Dienstleistern ist ebenfalls möglich. Gelistet sind in der von der französischen Hochschulgruppe Institut Mines-Télécom entwickelten Demo derzeit Services von 13 Anbietern, die in 16 Ländern angesiedelt sind. Dazu zählen neben Frankreich Deutschland, Italien, Tschechien, Großbritannien, Polen, Schweden, Portugal, Irland, Spanien, die Niederlande und Belgien sowie aus Übersee Kanada, die USA, Australien und Singapur.

Ziel des Gaia-X-Konsortiums, das derzeit 359 Mitglieder umfasst, ist die Bereitstellung einer souveränen digitalen Infrastruktur für Europa mit gemeinsamen Datenräumen. Eine Beteiligung von Unternehmen aus nicht-europäischen Staaten ist möglich. US-Cloud-Größen wie Amazon, Google und Microsoft sind daher längst an Bord. Alle Beteiligten müssen sich aber an die vereinbarten Werte halten. Einige frühe Verfechter des Modells wie Scaleway haben sich aus Unzufriedenheit über die erzielten Ergebnisse und die Integration der Hyperscaler zurückgezogen.

Jean-Noël Barrot, französischer Minister für den digitalen Wandel, bezeichnete den Start des Katalogs als "wichtigen Schritt". Dieser biete den Kunden von Cloud-Diensten in ganz Europa endlich einen einfachen Zugang zu transparenten Angeboten. "Gaia-X bewegt sich weg von Konzepten hin zur ersten realen Marktimplementierung seines 'Meta-Cloud'-Ansatzes", feierte Francisco Mingorance, Generalsekretär des Cloud-Verbands CISPE, den erreichten "Meilenstein".

"Gaia-X und damit eng verknüpfte Projekte leisten einen wichtigen strategischen Beitrag, um Deutschland und Europa in den Bereichen Cloud, Edge und Datenökonomie voranzubringen", unterstrich Susanne Dehmel, Mitglied der Geschäftsleitung beim Digitalverband Bitkom, im Vorfeld des Gaia-X-Summit. Der Bedarf dafür sei da: 46 Prozent aller Unternehmen ab 20 Beschäftigten in Deutschland hätten bei einer Umfrage m Sommer angegeben, dass sie an der Nutzung von Diensten der europäischen Cloud- und Dateninfrastruktur interessiert seien.

Innerhalb von drei Jahren sind Dehmel zufolge bei Gaia-X seit der Präsentation des Projektes im Herbst 2019 zahlreiche Initiativen entstanden, "die Kernindustrien der deutschen Wirtschaft berühren". Catena-X etwa entwickele in der Automobilbranche ein Ökosystem über die gesamte Lieferkette hinweg. Im Bereich des Maschinenbaus und des produzierenden Gewerbes stehe mit Manufacturing-X eine aus Deutschland kommende Allianz für einen Datenraum in den Startlöchern. Entscheidend werde nun sein, rasch in die Umsetzung zu kommen und mehr entsprechende Angebote auf den Markt zu bringen. Der diesjährige Gaia-X-Gipfel stand unter dem Motto: "Wir sind startklar."

(bme)