Mexikanische Verbrecher rekrutieren Minderjährige in Videospielen

Mexikos Kartelle werben über gewaltlastige Videospiele Kinder an. Davor warnen mexikanische Behörden. Sie haben drei Minderjährige befreit.

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Ein Jugendlicher beim Computerspielen

(Bild: JJFarq/Shutterstock.com)

Von
  • Andreas Knobloch

Drei Kinder hat die mexikanische Polizei aus der Gewalt Krimineller befreit. Die Verbrecher hatten die Kinder über das beliebte Videospiel "Free Fire" rekrutiert. Bei dem Spiel geht es darum, Rivalen zu erschießen. Die Kinder im Alter von elf bis 14 Jahren sollten mehr als 1300 Kilometer von ihrem Heimatort entfernt als Spitzel eingesetzt werden.

Einer der Buben hatte über Free Fire einen anderen Spieler befreundet, der in Wirklichkeit ein Krimineller war. "Dies geschieht über die Konsolen PlayStation, XBox oder Nintendo beziehungsweise Switch", berichtet Mexikos stellvertretender Minister für öffentliche Sicherheit, Ricardo Mejía. Die Verbrecher gäben sich als Jugendliche aus und suchten online nach Kindern, die "Interesse an dieser Art von Spielen, an Waffen, an Adrenalin haben". Diesen schicken sie dann private Einladungen, vorzugsweise in den frühen Morgenstunden, oder wenn die Eltern bei der Arbeit sind.

Obwohl "sie keine direkten Worte wie Narco, Kartell oder Killer verwenden, fangen sie an, Akronyme von kriminellen Gruppen zu benutzen", warnt Mejía. Dem Jungen wurde "Arbeit" angeboten. Er habe akzeptiert und zwei Freunde eingeladen, sagte der Regierungsbeamte.

Im Norden Mexikos sollten die Kinder Funk abhören und die Kriminellen vor möglicher Polizeipräsenz warnen. Angeblich wurden ihnen alle zwei Wochen 8.000 Pesos (rund 340 Euro) geboten. Welche Bande hinter der Rekrutierung steckte, sagte Mejía nicht. Auf Anzeige der Familien gelang es der Polizei, die Kinder über das Online-Spiel ausfindig zu machen und am 9. Oktober, noch vor ihrer Abreise, aus einer Wohnung nahe ihres Heimatortes zu befreien.

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"Dieser Fall ist wichtig und verbindet die virtuelle mit der realen Welt, da die Kriminellen ihre kriminellen Aktivitäten über Online-Multiplayer-Spiele und soziale Netzwerke durchgeführt haben", betont Mejía. Neben Free Fire würden Videospiele wie Grand Theft Auto, Call of Duty oder Gears of War "mit einem hohen Maß an Gewalt" zur Rekrutierung genutzt.

Im September dieses Jahres hat eine Untersuchung des Wall Street Journal aufgedeckt, dass das mächtige Kartell Jalisco Nueva Generación (CJNG) Facebook zur Anwerbung und Ausbildung Jugendlicher nutzt. Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie der geminnützigen Organisation Reinserta sind in den vergangenen 20 Jahren mehr als 30.000 mexikanische Kinder von Organisiert-Kriminellen rekrutiert worden.

Mexikos Präsident Andrés Manuel López Obrador bezeichnet Videospiele als sehr gewalttätig und schädlich. Er betont aber auch, Videospiele nicht verbieten zu wollen. Verantwortungsbewusste Eltern würden sich informieren und mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen. "Diese Spiele sind dazu da, sie zu unterhalten, aber der Inhalt ist nicht unbedingt gut." Er rät, Kinder nicht mit Videospielen allein zu lassen und den 10-Punkte-Katalog zu beherzigen.

Diesen hat die Ministerin für öffentliche Sicherheit und Bürgerschutz, Rosa Icela Rodríguez, vorgestellt. Darin wird empfohlen, nicht mit Fremden zu spielen oder zu chatten, Spielzeiten festzulegen, den Standort nicht mitzuteilen, keine persönlichen Daten anzugeben und verdächtige Konten zu melden. "Es geht nicht darum, die Technik zu verteufeln, sondern einen verantwortungsvollen Umgang mit ihr zu entwickeln", mahnt Rodríguez.

(akn)