Mexiko erhÀlt einen nationalen Supercomputer

Das „grĂ¶ĂŸte öffentliche Hochleistungsrechnersystem“ Lateinamerikas gilt als zentral fĂŒr die Strategie des Landes zur technologischen SouverĂ€nitĂ€t.

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(Bild: Gorodenkoff/Shutterstock.com)

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Von
  • Andreas Knobloch
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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Die mexikanische Regierung hat mit dem Barcelona Supercomputing Center (BSC) eine Vereinbarung ĂŒber den Bau eines nationalen Supercomputers geschlossen. Das berichteten mexikanische Medien in der vergangenen Woche. Das Projekt, das in dieser Woche offiziell verkĂŒndet werden soll, schaffe das „grĂ¶ĂŸte öffentliche Hochleistungsrechnersystem“ Lateinamerikas, heißt es. Die vorlĂ€ufigen RechenkapazitĂ€ten werden in Spanien gehostet.

Das Projekt „wird zu 100 % mexikanisch sein und sich deutlich von dem derzeit grĂ¶ĂŸten [Rechenzentrum] unterscheiden, das sich im SĂŒden des Kontinents befindet und einem privaten Unternehmen gehört“, sagte Jorge Luis PĂ©rez HernĂĄndez, Mexikos nationaler Koordinator fĂŒr digitale Infrastruktur. GegenĂŒber dem mexikanischen Wirtschaftsblatt El Economista erklĂ€rte er, dass Mexiko wĂ€hrend des Baus, der zwischen 24 und 36 Monaten dauern wird, ab sofort die KapazitĂ€t des BSC nutzen wird. Dadurch könne bereits im Januar 2026 mit vorrangigen Projekten begonnen werden.

Der Supercomputer soll zunĂ€chst zur Entwicklung fortschrittlicher Klimamodelle, zur Analyse von Millionen von Satellitenbildern zur Überwachung der Landwirtschaft, zur massiven Verarbeitung von Daten der Steuerbehörde und des Zolls sowie fĂŒr das Training von KI-Sprachmodellen fĂŒr staatliche Institutionen eingesetzt werden. „Probleme, die hier in wenigen Stunden oder Tagen gelöst werden können, wĂŒrden auf einem normalen Computer Jahre dauern“, so PĂ©rez HernĂĄndez zum Unterschied zwischen traditioneller Datenverarbeitung und Supercomputing.

FĂŒr Mateo Valero CortĂ©s, Direktor des BSC, kommt die Zusammenarbeit mit Mexiko zu einem entscheidenden Zeitpunkt fĂŒr die globale wissenschaftliche Entwicklung. Er erinnerte daran, dass seine Institution ĂŒber zwei Jahrzehnte Erfahrung verfĂŒgt. Das BSC betreibt derzeit den Supercomputer MareNostrum 5, der zu den leistungsstĂ€rksten der Welt zĂ€hlt. Valero CortĂ©s erklĂ€rte, dass sein Zentrum in Bereichen wie digitalen Zwillingen, virtuellen Modellen komplexer Systeme wie dem menschlichen Körper, StĂ€dten, Kreislaufsystemen und KlimaphĂ€nomenen arbeitet. Er hob auch die Pionierarbeit im Bereich des Sprachenschutzes hervor, indem das BSC eigene Sprachmodelle entwickelt, um die AbhĂ€ngigkeit von Konzernen wie Amazon oder Google zu vermeiden. „Ein Land, das ĂŒber eigene Berechnungen, Computer und Daten verfĂŒgt, kann Dinge tun, die sonst von anderen getan werden und wĂ€re somit nicht souverĂ€n“, sagte er.

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JosĂ© Antonio Peña Merino, Leiter der mexikanischen Agentur fĂŒr digitale Transformation und Telekommunikation, versicherte, dass die AnkĂŒndigung Teil des Plans Mexiko ist, einer nationalen Strategie zur Ausstattung des Landes mit einer eigenen Supercomputer-Infrastruktur. Die Initiative reagiert auf bestehende EinschrĂ€nkungen der öffentlichen Recheninfrastruktur Mexikos und ist laut offiziellen Angaben damit von zentraler Bedeutung fĂŒr die Strategie des Landes zur technologischen SouverĂ€nitĂ€t. Die begrenzte Recheninfrastruktur Mexikos schrĂ€nkt laut den Behörden die Umsetzung politischer Maßnahmen, die wissenschaftliche Forschung und die RisikoprĂ€vention ein.

(akn)