Michael Dell: Steve Jobs wollte mir macOS verkaufen – ich lehnte ab

Kurz nach seiner Rückkehr zu Apple wollte Steve Jobs das Mac-Betriebssystem für PCs lizenzieren, so der Dell-Gründer. Der Firma war aber der Preis viel zu hoch.

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Michael Dell

Michael Dell war laut eigenen Angaben über Jahre mit Steve Jobs befreundet.

(Bild: dpa, Manjunath Kiran/Archiv)

Von
  • Ben Schwan

Erinnerungen aus dem inneren Zirkel der IT-Branche: Zum zehnjährigen Todestag von Steve Jobs am 5. Oktober hat sich nun ein weiterer bekannter US-Computermanager mit Geschichten aus dem Leben des Apple-Gründers zu Wort gemeldet. In einem Gespräch mit dem IT-Newsdienst CNET berichtete Dell-Gründer Michael Dell, der immer noch (beziehungsweise wieder) Chef und Aufsichtsratsvorsitzender seiner PC- und Server-Firma ist, über interessante potenzielle Deals rund um macOS.

Laut Dells Erinnerungen bot ihm Steve Jobs nämlich gleich mehrfach an, seine Betriebssysteme für Dell-PCs zu übernehmen – einmal das NeXT-Betriebssystem NeXTSTEP (Vorläufer von Mac OS X), später dann macOS selbst. Der mögliche NeXT-Deal kam, als Jobs Apple verlassen und seine eigene Computerfirma gegründet hatte. Dell lehnte allerdings dankend ab, weil er kein Interesse bei seiner Kundschaft (sowie "fast keine Software" für NeXTSTEP) sah – obwohl Jobs argumentiert hatte, das NeXT-System sei besser als Windows.

Nachdem Jobs dann 1997 zu Apple zurückgekehrt war, gab es erneut Gespräche mit Dell – offenbar, um Apples finanzielle Schieflage schnell zu beenden. Jobs habe ihm mitgeteilt, er habe Dell-Desktops, auf denen macOS laufe. "Warum lizenzierst Du [das] nicht?" Michael Dell fand die Idee spannend, allerdings kam es dann doch nicht zu einer Einigung. Laut seiner Erinnerung wünschte sich Jobs einen Deal, bei dem "Hunderte Millionen Dollar" vorab geflossen wären.

Statt eine Lizenzgebühr pro verkauften PC mit macOS zu erhalten, wollte Jobs ein Gesamtpaket verkaufen. Nutzer hätten dann zwischen Windows und macOS wählen können. Dell wollte hingegen zunächst einmal sehen, ob Nutzerinteresse besteht und dann erst bezahlen. "Ihm etwas zu zahlen für jedes Mal, bei dem wir [macOS] nicht verwendet haben – das war schon ein netter Versuch, Steve!", so Dell grinsend.

Weiterhin störte Dell die Tatsache, dass es von Jobs offenbar keine Garantie dafür gab, dass Apple auch kommende macOS-Versionen lizenzieren würde. Jobs hatte schon zuvor Befürchtungen geäußert, die billigeren PCs würden die Mac-Verkäufe kannibalisieren – das war offenbar auch der Grund für den "reichhaltigen" Vorab-Lizenz-Deal, den er anstrebte. Dennoch glaubt Dell, dass ein solches Geschäft wohl die ganze Branche verändert hatte.

Jobs und Dell kamen sich später gleich mehrfach ins Gehege. So forderte Dell Apple auf, die Firma zu schließen und das Geld an seine Aktionäre zurückzuzahlen – ein Spruch, den Jobs später immer wieder zur Mitarbeitermotiviation und sogar auf Keynotes verwendete. Laut Dells Angaben blieben er und Jobs über all die Jahre jedoch befreundet.

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(bsc)