Microsoft Build 2022: Entwickeln auf ARM64-PC oder direkt in der Cloud

Speziell für Entwickler präsentierte Microsoft auf der Build-Konferenz unter anderem einen ARM64-basierten PC sowie einen Arbeitsplatz in der Cloud.

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(Bild: Microsoft)

Von
  • Dr. Holger Schwichtenberg

Unter den wichtigsten auf Entwicklerinnen und Entwickler zugeschnittenen Neuerungen auf der Microsoft Build 2022 findet sich Project "Volterra" (s. Abb.1). Der Codename steht für einen Mini-Rechner zur optimierten Entwicklung von künstlicher Intelligenz, den Microsoft im Laufe dieses Jahres in den Handel bringen will.

Die Hardware verwendet die ARM-basierte Snapdragon Compute Platform mit integrierter Neural Processing Unit (NPU). Das Gehäuse soll aus recyceltem Plastik aus den Meeren bestehen. Im Keynote-Video sind drei USB-A-Anschlüsse zu sehen, zweimal USB-C sowie einmal Ethernet und Mini DisplayPort. Die Geräte sollen sich nicht nur für den Desktop eigenen, sondern für ein Rack-Deployment stapeln lassen. Der Preis blieb offen.

In der BUILD-Keynote gezeigtes Foto einer auf die KI-Entwicklung spezialisierten Entwicklerhardware (Abb. 1).

(Bild: Microsoft)

Zum Projekt Volterra passend will Microsoft seine wichtigsten Entwicklungswerkzeuge ARM64-fähig machen. Dazu gehören Visual Studio, Visual Studio Code, Windows Terminal, das Windows Subsystem for Linux (WSL) und das Windows Subsystem for Android (WSA) sowie Microsoft Office und Teams. Während das moderne .NET schon auf ARM läuft (seit .NET 5.0 bzw. seit .NET 6.0 auch WPF und Windows Forms), soll auch das klassische .NET Framework dafür ein Update 4.8.1 erhalten (Letzteres wurde schon auf der DOTNETConf am 9.11.2021 erwähnt). Die Werkzeuge sollen Ende 2022 fertig sein. Zudem will Microsoft auch andere Anbieter unterstützen, Tools und Programmiersprachen (z.B. Java, Python, Node.js und Git) auf Windows mit ARM64-CPU anzupassen.

Als Alternative zum leistungsfähigen Entwickler-PC will Microsoft die Entwicklerarbeitsplätze in die Cloud ziehen. Mit der "Microsoft Dev Box" hat CEO Satya Nadella in der Keynote der Build-Konferenz einen neuen Cloud-Dienst angekündigt, der Entwicklerinnen und Entwicklern vorkonfigurierte Development-Systeme für spezifische Aufgaben bereitstellen soll. Dev Box basiert auf Azure Virtual Desktops; als Betriebssystem wird aber zunächst nur Windows angeboten. Zum Reduzieren der Kosten können die virtuellen Systeme bei Nichtbenutzung in den Schlafmodus versetzt werden. Für die Teilnahme an einer Vorschauversion der Dev Box können sich Entwickler ab sofort bewerben.

Der Cloud-Dienst "Azure Web Service", einer der ältesten Dienste in der Azure-Cloud, unterstützt nun neben Websites und HTTP-basierten Web-APIs auch gRPC-Dienste, die HTTP/2 erfordern. gRPC kann seit .NET Core 3.0 in modernem .NET verwendet werden. Azure App Services unterstützen die Versionen .NET Core 3.1 und .NET 6, weil dies die einzigen modernen .NET-Versionen sind, für die es aktuell noch Support gibt.

Als neuen Dienst bietet Microsoft in der Cloud nun NGINX Plus der Firma F5 an. NGINX Plus ist ein auf dem Webserver NGINX basierender Load Balancer, ein API Gateway und Reverse Proxy (s. Abb. 2).

NGINX Plus in Azure (Abb. 2).

(Bild: F5)

Der Cloud-Dienst "Azure Container Apps" (ACA), der bisher als Preview vorlag, ist nun einsatzreif. Azure Container Apps ist ein "serverless"-Dienst für Webanwendungen und Web-APIs (s. Abb. 3). Der Dienst basiert auf Kubernetes und ist damit gut skalierbar. Optional kann die Distributed Application Runtime (DAPR) zum Einsatz kommen. Die Azure Kubernetes Services erhalten einige Ergänzungen im Bereich Netzwerk und Clustering sowie Leistungsverbesserungen.

Einsatzszenarien für Azure Container Apps (Abb. 3).

(Bild: Microsoft)

Die Azure Communication Services haben eine REST-API und ein SDK zum Senden von E-Mails erhalten. Der Dienst unterstützt die Verwendung eigener Absenderdomains und soll zahlreiche E-Mails in kurzer Zeit versenden können ("High Volume Sending").

Den seit 2019 existierenden Dienst "Azure Spring Cloud" nennt Microsoft nun "Azure Spring Apps". Die zugehörige Enterprise-Tier mit allen Funktionen und kommerziellem Support ist nun einsatzreif.

Apps im Store können Entwickler zukünftig per GitHub Action oder REST-API direkt aus der CI-/CD-Pipeline aktualisieren.

Softwareanbieter sollen in Zukunft auch Anzeigen im Microsoft Store für Ihre Software schalten können, die im Rahmen der Suche angezeigt werden. Die Einstellung erfolgt über das Microsoft Advertising Portal. Für das Programm ist eine Anmeldung erforderlich.

Die Windows-Suche im Startmenü soll in Zukunft auch Suchergebnisse aus dem Microsoft Store anzeigen und eine direkte Installation aus der Trefferliste ermöglichen. Beim Wechsel auf neue Hardware sollen Windows-Nutzer einfacher alle bisher installierten Store Apps erneut installieren können. Weitere Details finden sich im Windows Developer Blog.

Der Amazon App Store für Android-Apps in Windows 11, der bislang nur in den USA erreichbar ist, soll bis Jahresende auch in Deutschland verfügbar werden.

Die Low-Code-Werkzeuge zum Erstellen von datengetriebenen, mobilgerätefähigen Webseiten, die bisher innerhalb der Power Apps als "Portal" bezeichnet wurden, sind nun unter dem Namen "Power Pages" ein eigenständiges Mitglied der Microsoft Power Platform, die laut Aussage von Microsoft 7,4 Millionen Nutzer ("Low-Code-Developer") hat. Pages umfasst zahlreiche Vorlagen, die im Design Studio mit den Workspaces "Pages", "Styling", "Data" und "Set up" (z.B. der Authentifizierungsprovider und Berechtigungen; s. Abb. 4) angepasst werden können. Fortgeschrittene Nutzer können die zusammengeklickte Anwendung in Visual Studio Code anpassen. Sie besteht dort aus YAML- und HTML-Dateien.

Design Studio für Power Pages (Abb. 4).

(Bild: Microsoft)

In den Power Apps können Nutzer sich mit dem neuen Feature "Express Design" aus einem Figma-Design, einem PDF-Formular, aus einer PowerPoint-Zeichnung, einem Screenshot und sogar aus einem Papierformular oder handschriftlichen Zeichnungen eine Eingabemaske und zugehöriges Datenbankschema erzeugen lassen. Dabei müssen Nutzerinnen und Nutzer dem von dem Designer identifizierten Feldern Steuerelemente zuweisen (s. Abb. 5).

Erstellen eines Eingabeformulars auf Basis einer handschriftlichen Zeichnung mit dem Express Designer für Power Pages (Abb. 5).

(Bild: Microsoft)

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