Microsoft-Mitarbeiter verlangen Verzicht auf Zusammenarbeit mit US-Polizei

Vor dem Hintergrund der aktuellen Proteste in den USA fordern Microsoft-Angestellte, dass der Software-Riese nicht mehr mit der US-Polizei zusammenarbeite.

Lesezeit: 1 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 60 Beiträge

(Bild: dpa, Bernd von Jutrczenka/dpa)

Von

Microsoft-Mitarbeiter haben den Firmenchef Satya Nadella dazu aufgefordert, dass Microsoft künftig die Zusammenarbeit mit US-Polizeibehörden, zuvorderst der in Seattle, einstellen solle. Ferner solle Microsoft eine Petition für den Rücktritt der Bürgermeisterin von Seattle, Jenny Durkan, unterstützen sowie sich hinter die Forderungen nach Entmilitarisierung und Budgetkürzung bei der Polizei stellen. Über 250 Mitarbeiter hätten sich mit der Mail solidarisch erklärt, die am Montag an Nadella geschickt wurde, berichtet das Blog One Zero.

Hintergrund sind die landesweiten Proteste, die in den USA aufgeflammt sind, nachdem der schwarze US-Amerikaner George Floyd bei einer gewaltsamen Festnahme zu Tode kam. Zuvor hatte ein Polizeibeamter minutenlang auf seinem Rücken und Hals gekniet. Die Polizei greift bei den Protesten teilweise überaus hart durch – was in der Mail mit den Worten "Unsere Nachbarschaft hat sich in ein Kriegsgebiet verwandelt“ geschildert wird.

In der von Onezero im Wortlaut publizierten Mail lassen der oder die Autoren durchblicken, dass sie in dem offenbar von zunehmend gewalttätigen Protesten erschütterten Stadtteil Capitol Hill in Seattle leben. Hubschrauberflüge, Schussgeräusche sowie Polizei-Einsätze mit Tränengas, Gummigeschossen und Blendgranaten seien laut der Mail nahezu an der Tagesordnung, auch einige Microsoft-Mitarbeiter wären dabei in Mitleidenschaft geraten.

Microsoft solle sich deshalb positionieren, den Einsatz von Tränengas, Gummigeschossen und Blendgranaten formell verurteilen und auch Unterstützung für die Bewegung "Black Lives Matter" erklären. Diese engagiert sich für die Rechte von Afro-Amerikanern und nimmt bei den derzeitigen Protesten eine wichtige Rolle ein. Ebenfalls werden Verbesserungen für die Mitarbeiter gefordert, die ihnen durch die Zeit der Pandemie und Proteste helfen sollen.

Microsoft-Chef Satya Nadella ließ auf Anfrage des Wirtschafts-Magazins Business Insider dazu verlauten: "Ich habe in den vergangenen Tagen von vielen Mitarbeitern Aufrufe zum Handeln gehört, Aufrufe zum Nachdenken und Rufe nach Wandel. Meine Antwort darauf ist: Ja. Wir müssen handeln." Worin dieses Handeln besteht, blieb allerdings offen. Die Antwort entspreche im Wortlaut auch dem, was Nadella bereits einige Tage vor der Mitarbeiter-Mail unter anderem in einem Blogeintrag als Botschaft an die Belegschaft verbreiten ließ.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Microsoft-Angestellte gegen die Mitwirkung ihres Arbeitgebers an Projekten mit Polizei und Militär wenden. Vergangenes Jahr hatten Mitarbeiter in einem offenen Brief etwa verlangt, dass die Konzernchefs Satya Nadella und Brad Smith einen 480 Millionen US-Dollar umfassenden Hardware-Vertrag mit dem US-Militär aufkündigen. Microsoft begrüße das Feedback der Mitarbeiter, hieß es damals laut Erklärung an die Presse, am Kurs änderte das Unternehmen aber nichts.

(axk)