Microsoft-Studie: Homeoffice kann Produktivität und Innovation beeinträchtigen

Arbeit von Zuhause führt zu mehr Arbeitsstunden, erschwert aber die Kommunikation zwischen verschiedenen Abteilungen - mit möglicherweise langfristigen Folgen.

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Mann in kurzer Hose und Hemd in Videokonferenz

(Bild: Shutterstock/Andrey_Popov)

Von
  • Frank Schräer

Eine im Auftrag von Microsoft durchgeführte Studie der Auswirkungen der Arbeit von Zuhause hat ergeben, dass im Homeoffice zwar länger gearbeitet, aber die Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Abteilungen beeinträchtigt wird. Die zunehmend asynchrone Kommunikation führe dazu, dass die Mitarbeiter isoliert werden und Informationen weniger oft ausgetauscht werden. Langfristig könne sich dies negativ auf Produktivität und Innovation auswirken.

Die im Magazin Nature Human Behavior veröffentlichte Studie basiert auf den Daten und der Kommunikation von fast 62.000 Microsoft-Mitarbeitern in den USA in den ersten sechs Monaten des Jahres 2020. Im März 2020 hatte Microsoft aufgrund der Coronavirus-Pandemie Homeoffice angeordnet, sodass ein Vergleich der Arbeitsbedingungen möglich war.

Vor dem Ausbruch der Pandemie haben nur fast 5 Prozent der Amerikaner mehr als drei Tage pro Woche von Zuhause gearbeitet. Im April 2020 waren es dagegen 37 Prozent, die Vollzeit im Homeoffice verbrachten. In der Technologiebranche waren es noch deutlich mehr, da viele Unternehmen wie Twitter, Facebook, Square, Box, Slack und Quora ihre Mitarbeiter zur Arbeit nach Hause geschickt haben.

Die Mitarbeiter haben laut Studie weniger Zeit mit direkten Einzelgesprächen von Angesicht zu Angesicht verbracht, sondern sich auf asynchrone Kommunikation per E-Mail oder Textnachrichten verlassen. Lediglich innerhalb der Abteilungen habe sich ein stärkeres Zusammengehörigkeitsgefühl gebildet, während die Kommunikation mit anderen Abteilungen deutlich eingeschränkt wurde. Nach Angaben von Microsoft sei die Kommunikation zwischen verschiedenen Abteilungen um 25 Prozent zurückgegangen. Dadurch haben sich Informationen innerhalb des Unternehmens langsamer verbreitet.

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Die Studie fordert von den Firmen deshalb Maßnahmen, um es den Mitarbeitern im Homeoffice zu erleichtern, Informationen aus anderen Unternehmensbereichen zu bekommen. Ansonsten könnten Produktivität und Innovation beeinträchtigt werden. Microsoft stimmt dem Studienergebnis zu und erklärt, dass firmeninterne Kommunikation wichtig sei für Innovation. Heimarbeit und Hybrid-Modelle werden beibehalten selbst nach Ende der Pandemie, sodass es wichtig sei, entsprechende Richtlinien zur Kommunikation zu haben.

Die Studie wird nach einem Bericht von ZDNet aber auch kritisiert. Demnach sei der Zeitrahmen der Studie nicht repräsentativ für die Einführung von Homeoffice unter normalen Umständen. Aufgrund der Pandemie sei Heimarbeit praktisch über Nacht eingeführt worden, sodass die plötzlichen Änderungen extreme Auswirkungen auf die Mitarbeiter gehabt hätten. Außerdem hätten vor der Pandemie lediglich 18 Prozent der Microsoft-Mitarbeiter teilweise von Zuhause gearbeitet. Für die restlichen 82 Prozent war Homeoffice im März 2020 eine komplett neue Erfahrung.

Wie die großen IT-Konzerne aus den USA nach dem weitgehenden Wechsel ihrer Belegschaft ins Homeoffice mit einer möglichen Rückkehr in die Büros umgehen, wird seit Monaten aufmerksam beobachtet. Zuletzt hatten Facebook, Apple, Google & Co. die angekündigten Termine dafür immer weiter nach hinten verschoben, vor allem, weil die Infektionszahlen in den USA aufgrund der Deltavariante des Coronavirus wieder stark ansteigen. Facebook, Google und Amazon hatten die geplante Öffnung der Büros bereits auf Anfang 2022 verschoben, Microsoft ist nun der erste große Konzern, der gar keinen Termin mehr nennt. Mehrere Unternehmen hatten außerdem angekündigt, nur Geimpfte in die Gebäude zu lassen.

(fds)