Microsoft an Chefs: Beendet eure Produktivitätsparanoia beim Homeoffice

Wer seine Angestellten in unsicheren Zeiten halten will, muss ihnen vertrauen, meint Microsoft. Dass Hybrid-Arbeiter weiter produktiv sind, belegen Statistiken.

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(Bild: fizkes/Shutterstock.com)

Von
  • Jonas Volkert

Microsoft hat die neue Ausgabe seines Work Trend Index vorgestellt. Unter dem Titel "Work Is Just Work. Are We Doing It Wrong?" stellt das Unternehmen die Ergebnisse seiner weltweiten Umfragedaten samt Handlungstipps für die Führungsetagen zur Verfügung.

Seit der Rückkehr vieler Angestellter in Büros habe sich weltweit das Hybrid-Modell etabliert. Es herrsche aber eine deutliche Wahrnehmungslücke zwischen Angestellten und Chefs darüber, wie gut das neue Arbeitsmodell funktioniere. Während erstere die flexiblen Arbeitsbedingungen zu schätzen gelernt hätten und 87 Prozent von ihnen auch meinten, bei der Arbeit nach wie vor produktiv zu sein, sind sich Führungskräfte nicht so sicher. 85 Prozent der Chefs sagten, es falle ihnen schwer, darauf zu vertrauen, dass Hybrid-Arbeiter genauso produktiv sind.

Die Datenlage, so Microsoft, gibt aber der Belegschaft recht: Die wöchentlichen Meetings hatten bereits Anfang des Jahres um 153 Prozent im Vergleich zu Zeiten vor der Pandemie zugenommen. Eine Trendumkehr habe man im Jahresverlauf nicht beobachten können. Gleichzeitig würden neue Daten belegen, dass 42 Prozent der Angestellten während Meetings andere Arbeits-Aufgaben erledigen – passive Tätigkeiten wie das Lesen von E-Mails nicht einmal eingeschlossen.

Gleichzeitig unterlaufe undurchsichtiges Aktivitätstracking, mit dem einige Firmen die Tätigkeitszeiten der Belegschaft prüfen, das Vertrauensverhältnis. Ein solches Tracking-Tool hatte Microsoft mit seinem Productivity Score bis Ende 2020 selbst noch im Angebot.

So entstehe ein "Produktivitätstheater", in dem Remote-Angestellte mit inhaltsleeren Meetings beschäftigt erscheinen wollen, nicht aber an effizienter Arbeit interessiert sind. Die Arbeitgeber-seitige Produktivitätsparanoia gefährde den langfristigen Erfolg des Modells Remote/Hybrid-Arbeit, so Microsoft. Man appelliere daher an die Chefetagen, sich weniger darauf versteifen nur zu prüfen, ob Angestellte ausreichend viel arbeiten. Vielmehr müsse man ihnen besser zeigen, worauf es ankomme, etwa durch Objective Key Results (OKR) und eine Firmenkultur, die Qualität von Arbeit und nicht die Quantität honoriere.

Für die neue Ausgabe des Work Trend Index hat Microsoft 20 000 Vollzeit-Arbeitende in elf Ländern befragt. Zwischen 7. Juli und 2. August 2022 nahmen daran Menschen aus Deutschland, Frankreich, dem Vereinigten Königreich, Australien, Neuseeland, China, Indien, Japan, Brasilien, Kanada und den USA teil. Die Umfragedaten sind für alle Länder repräsentativ. Den gesamten Report, der sich außerdem mit Daten und Hinweisen zur Arbeit an Bürotagen und Fortbildungschancen befasst, stellt Microsoft zum kostenlosen Download zur Verfügung.

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(jvo)