Microsoft installiert ungefragt Office-PWAs unter Windows 10

Auf einigen Windows-10-Systemen erschienen unlängst plötzlich Startmenüeinträge für Office-Anwendungen. Es sind Progressive Web Apps (PWAs) für den neuen Edge.

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Ungebetene Startmenüeinträge für Word, Excel und Co. (hier im Symbolbold) dürften in den letzten Tagen manchen Win-10-Nutzer irritiert haben.

(Bild: dennizn/Shutterstock.com)

Update
Von
  • Günter Born

Vor rund einer Woche meldete sich beim Autor dieser Meldung ein Nutzer, auf dessen Windows-10-System nach einer Neustart-Aufforderung plötzlich Einträge zu Microsoft Office-Anwendungen im Startmenü auftauchten – und zwar ohne dass er diese bewusst installiert hätte. Gegenüber dem Autor, in sozialen Netzwerken und Foren haben sich seither weitere Nutzer zu Wort gemeldet, die sich mit demselben Phänomen konfrontiert sahen und wohl teils noch immer sehen.

Bei den Einträgen handelt es sich um – von Microsoft ungefragt angelegten – Verknüpfungen zu so genannten "Progressive Web Apps" (PWA), die beim Anklicken über den neuen, Chromium-basierten Edge-Browser (Stable Version) aufgerufen werden. Möglicherweise, so eine Theorie mancher Betroffener, führt Microsoft derzeit eine Art A-/B-Test durch, in dessen Rahmen die betreffenden PWAs ungefragt auf manchen Systemen installiert werden.

Ein Screenshot eines betroffenen Nutzers zeigt Office-PWA-Installationen vom 10. Oktober.

(Bild: Screenshot)

Welche Kriterien über die Installation entscheiden, ist bislang unklar. Rückmeldungen von Nutzern zufolge tauchen die Apps sowohl in lokalen Benutzerkonten als auch im Kontext von Microsoft-Konten auf. Auch die Teilnahme am Windows- oder Edge-Insiderprogramm scheint entgegen teils anderslautender Vermutungen keine Voraussetzung zu sein.

Auf Anfrage des Autors dieser Meldung nahm ein Autor der Plattform deskmodder.de, der von dem Phänomen betroffen war, dieses genauer unter die Lupe. Wie er in einem Blogeintrag zu den unerwünschten PWAs beschreibt, sind die Office-PWAs mit dem Pfad C:\Program Files (x86)\Microsoft\Edge\Application verknüpft und rufen Microsofts Office-Online-Module auf.

Beim Aufruf der Apps werden die Benutzer auf die Anmeldeseite https://login.microsoftonline.com/ umgeleitet. Nach einer Anmeldung am Microsoft-Konto lassen sich etwa Office-Dokumente im (Edge-)Browser mit den Office-Online-Modulen ansehen, bearbeiten und auf dem zugeordneten OneDrive-Laufwerk speichern.

(Bild: Screenshot)

Wer diese Funktionen nicht nutzen beziehungsweise lieber selbst entscheiden will, wann und wie er dies tut, kann die PWAs glücklicherweise recht einfach wieder entfernen: Gibt man im Edge den Befehl edge://apps in der URL-Leiste ein, werden die Einträge unter Installierte Apps aufgelistet und lassen sich dort wieder löschen. Alternativ kann man auch den Weg über das Startmenü (Rechtsklick auf die Anwendung --> Deinstallieren) oder die Systemeinstellungen (Programme entfernen) gehen.

Update 20.10.20, 10:30:

Unbestätigten Quellen aus dem Microsoft-Umfeld zufolge soll es sich bei den Vorgängen um ein "aus dem Ruder gelaufenes", noch unfertiges Feature handeln: Die Auto-Installation der PWAs sei in dieser Form nicht geplant gewesen, heißt es bei ZDNet. Eigentlich habe man wohl beabsichtigt, neue Startmenü-Einträge als Verknüpfungen zu den Office-Webanwendungen anzulegen, sofern noch kein Office auf der Maschine installiert sei.

Verursacht worden sei das unerwünschte Verhalten wohl durch einen Bug im aktuellsten Edge-Update. Microsoft habe die Verteilung gestoppt und arbeite nun an Korrekturen. Eine offizielles Statement des Unternehmens fehlt aber nach wie vor.

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(ovw)