Microsoft veröffentlicht Windows 11 Version 22H2

Windows 11 bekommt ab heute das erste Funktionsupdate, das Microsoft auch einfach als "2022 Update" bezeichnet. Die Installation ist bis auf weiteres optional.

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  • Jan Schüßler

Das erste Funktionsupdate für Windows 11 bringt einige neue Funktionen und steht auf Systemen mit installiertem Windows 11 ab sofort in Windows Update zur Verfügung. Bis auf Weiteres handelt es sich um ein optionales Update, das per Klick auf "Herunterladen und installieren" auf den Rechner kommt. Wie schon bei Windows 10 soll es nicht allen Systemen auf einmal angeboten werden, sondern zunächst auf jenen, die nur gängige Hard- und Software aufweisen – und damit als problemlos zu aktualisieren gelten.

Microsoft hat die Verfügbarkeit in einem Blogbeitrag angekündigt. Auch auf den üblichen anderen Wegen ist Version 22H2 verfügbar oder sollte es in Kürze sein: per WSUS und Windows Update for Business, als ISO-Datei und Upgrade per Media Creation Tool sowie als ISO im Volume Licensing Service Center (VSLC) für Großkunden und für Visual-Studio-Abonnenten (vormals MSDN).

Wie man es schon von Funktionsupdates für Windows 10 kennt, bringt auch dieses Update die einen oder anderen Neuerungen bezüglich Aussehen und Bedienung. Das meiste davon hat Microsoft bereits vor rund einem halben Jahr für Teilnehmer des Betatestprogramms "Windows Insider" zugänglich gemacht. So lassen sich Fenster nun auch per Touch-Bedienung komfortabel in Bildschirmabschnitte einpassen ("Snap Layouts"), im Startmenü kann man App-Icons in Ordner einsortieren.

Windows 11 Version 22H2 (6 Bilder)

Die Explorer-Startansicht ersetzt den bisherigen "Schnellzugriff" – und es gibt Tabs.

Auch visuelle Details sind hier und dort verfeinert – das Lautstärkeregler-Overlay ist an das aktuelle Aussehen angepasst, OneDrive-Nutzer sehen im Explorer den Füllstand und die bislang "Schnellzugriff" genannte Startseite des Datei-Explorers hat ein Update bekommen. Sie heißt nun "Start" und zeigt zusätzlich zu eigenen Dateiordnern und zuletzt benutzten Dokumenten auch Dokumente und sonstige Dateien an, die man dort angepinnt hat, um schneller darauf zugreifen zu können.

Absehbar ist, dass 22H2 die Kritik an Windows 11 nicht verstummen lassen wird. So ändert sich nichts an den rigiden Systemvoraussetzungen und auch die Taskleiste bekommt bislang nicht die ersehnte Option zurück, die Icons offener Programme nicht zu gruppieren. In Sachen Microsoft-Konto wird die 2022er-Ausgabe von Windows 11 sogar strenger: Die Anmeldung mit einem solchen ist künftig nicht nur in der Home-Edition obligatorisch, sondern auch in Windows 11 Pro. Immerhin: Man kann das nach wie vor umgehen, indem man als Benutzernamen "Microsoft" und als Kennwort irgendetwas eintippt.

Auch im Bereich Sicherheit tut sich was, wie Microsoft in einem separaten Blogbeitrag zum Thema Security ausführt. So soll mit Version 22H2 die "Virtualisierungsbasierte Sicherheit" auf allen Geräten per Standardeinstellung aktiv sein, die die offiziellen Systemvoraussetzungen erfüllen. Zudem werden Treiber mit bekannten Sicherheitslücken geblacklistet.

Die neue Funktion "Smart App Control" ist ein Versuch, die Probleme klassischer Virenwächter anzugehen. Sie unterbindet den Start von Programmen, die (noch) nicht als vertrauenswürdig bekannt sind. Die Signaturen werden regelmäßig aktualisiert. Das konnten wir bereits beobachten: Der Copy Dialog Lunar Lander, eine Mini-App, mit der man den Klassiker Lunar Lander in der Kopiergeschwindigkeits-Grafik spielen kann, wurde zunächst geblockt, wenige Tage später aber zugelassen: Das kleine Programm hatte sich zwischenzeitlich als unschädlich erwiesen. Im Endefffekt dürfte es sich bei der Funktion um eine etwas intelligentere Version des S-Modus handeln – mit dem Unterschied, dass nicht nur Apps aus dem Store zulässig sind.

Smart App Control befindet sich zunächst in einem Lernmodus, in dem es analysiert, was für Software auf dem PC zum Einsatz kommt. Nutzt man etwa als Entwickler oder Power-User viele Programme, mit denen die Funktion nichts anfangen kann, soll sie sich unwiderruflich deaktivieren, um im Alltag nicht dauernd in die Quere zu kommen. Erkennt Windows hingegen, dass nur wenige verschiedene und sehr häufige Programme genutzt werden, schaltet es die Funktion scharf. Wenn das stört, kann man sie jederzeit abschalten – will man sie wieder aktivieren, ist allerdings eine saubere Neuinstallation oder ein Reset der Installation erforderlich.

Manches an Funktionen steckt zwar schon in Version 22H2, soll aber erst im Oktober freigeschaltet werden. Ein Beispiel dafür ist der Datei-Explorer, der nach einer gefühlten Ewigkeit nun endlich Tabs bekommt. Die lassen sich, wie auch von Webbrowsern gewohnt, per Strg+T öffnen und per Strg+W schließen.

Für diese Art des Funktions-Rollouts nutzt Microsoft die gleiche Mechanik, die schon seit ein paar Jahren für die eher kleinteiligen Funktionsupdates von Windows 10 zum Einsatz kommt. Neue Funktionen werden dabei mittels kumulativer Updates ins System eingebaut, aber erst mit einem kleinen "Enablement Package" scharf geschaltet. In Zukunft dürfte Microsoft häufiger auf diese Methode zurückgreifen.

Siehe auch:

(jss)