Mikronova: Eine neue Art von Sternenexplosion entdeckt

Unter bestimmten Umständen kann es auf einem Weißen Zwergstern zur Zündung von lokal begrenzten "Mikrofusionsbomben" kommen. Mehrere wurden bereits beobachtet.

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Künstlerische Darstellung einer Mikronova

(Bild: Mark Garlick (markgarlick.com))

Eine Gruppe von Astronomen und Astronominnen hat eine neue Art von Sternenexplosion entdeckt – die vergleichsweise kleinen und kurzen Helligkeitsausbrüche nennen sie Mikronova. Das teilte die Europäische Südsternwarte (ESO) jetzt mit, deren Very Large Telescope (VLT) für die Beobachtung genutzt wurde. Es handelt sich demnach um kleine Versionen sogenannter Novae, seit Jahrhunderten bekannte Helligkeitsausbrüche auf Weißen Zwergsternen, die mehrere Wochen dauern können. Mikronovae sind dagegen deutlich kleiner und dauern nur wenige Stunden. Zum ersten Mal auf die "mysteriösen Mikroexplosionen" gestoßen sind die Forscher und Forscherinnen in Daten des Exoplanetenjägers TESS der NASA.

Wenn die vergleichsweise kleinen, aber massereichen Weißen Zwergsterne in einem Doppelsternsystem ihrem Begleiter Material entreißen, kann es vorkommen, dass Wasserstoffatome explosionsartig zu Helium fusionieren. Bei einer Nova geschehen diese thermonuklearen Explosionen auf der gesamten Sternoberfläche. Wie das Forschungsteam um Simone Scaringi von der britischen Universität Durham nun entdeckt hat, können solche Explosionen aber auch lokal begrenzt stattfinden. Dazu müssen starke Magnetfelder das entrissene Material in Richtung der magnetischen Pole des Sterns schleudern. Die Explosionen finden dann nur dort statt, es werden quasi "Mikrofusionsbomben gezündet". Verbrannt werden trotzdem etwa 20.000 Billionen Tonnen an Material – oder wie es die ESO ausdrückt, "3,5 Milliarden Cheops-Pyramiden von Gizeh".

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Entdeckt haben die Astronomen und Astronominnen das bislang unbekannte Phänomen in Daten des Weltraumteleskops TESS (Transiting Exoplanet Survey Satellite). Das lichtet unzählige Sterne ab, um minimale Helligkeitsschwankungen zu finden, die auf Exoplaneten zurückgehen, die sich vor die Sterne schieben. Bei der Durchsicht der Daten haben sie einen hellen optischen Blitz gefunden, der mehrere Stunden anhielt. Später hätten sie weitere solche Signale gefunden. Mithilfe des Very Large Telescopes (VLT) der ESO konnten sie die Lichtblitze dann auf die Weißen Zwerge zurückführen. Danach hätten sie den zugrundeliegenden Mechanismus erklären können und so das "Repertoire der bekannten Sternexplosionen" erweitert. Jetzt wollen sie weitere Beispiele suchen, um das Phänomen besser zu verstehen. Ihre Analyse ist im Fachmagazin Nature erschienen.

(mho)