Militärputsch in Myanmar: Telenor muss Mobilfunknetz verkaufen

Die Lage in Myanmar verschlechtert sich weiter, Telenor kann dort nicht weitermachen. Das Mobilfunknetz wird mit Verlust an Libanesen verkauft.

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Personen warten an Bushaltestelle, dort "Telenor"-Werbeplakate

Screenshot eines Werbespots Telenor Myanmars

(Bild: Telenor Myanmar (Screenshot))

Von
  • Daniel AJ Sokolov

Telenor verkauft sein Mobilfunknetz in Myanmar mit etwa 18 Millionen Kunden. Grund ist nicht bloß der Militärputsch in dem asiatischen Land vom 1. Februar, sondern dass sich die Lage dort seither noch weiter verschlechtert hat. "Die Situation in Myanmar ist für Telenor in den letzten drei Monaten immer schwieriger geworden", sagte Sigve Brekke, CEO der Telenor Group, am Donnerstag. Er sorgt sich um die Sicherheit seiner Mitarbeiter, Regulierung und Compliance.

Das ist ein diplomatischer Hinweis darauf, das korrekte Geschäftsgebarung, wie sie für skandinavische Unternehmen selbstverständlich ist, in Myanmar nicht mehr möglich ist. Hinzu kommt die für Telenors Eigentümer inakzeptable Menschenrechtslage in dem asiatischen Land. Das Militär geht brutal gegen Anhänger einer Demokratie vor. Hunderte Menschen wurden ermordet, tausende inhaftiert.

Die Militärs haben Internetzugang noch weiter eingeschränkt und überwachen elektronische Kommunikation rigoros – was die Mitwirkung der Netzbetreiber erfordert. Durch ein Ausreiseverbot für Telecom-Manager erpresst Myanmar deren Mitarbeit bei der Netzüberwachung. "In der gegebenen Situation war es Telenor nicht möglich, einen ordentlichen Verkaufsprozess durchzuführen", stellt der Konzern lapidar fest.

Neuer Eigentümer Telenor Myanmars wird die libanesische M1 Group. Das hat Telenor am Donnerstag mitgeteilt. Die notwendigen Genehmigungen der Militärdiktatur stehen noch aus. Werden sie erteilt, zahlt M1 den Schleuderpreis von 105 Millionen US-Dollar (knapp 89 Millionen Euro) an Telenor, davon 55 Millionen Dollar in Raten über fünf Jahre. Außerdem übernimmt der neue Eigentümer Verbindlichkeiten in Höhe von etwa 495 Millionen Dollar (419 Millionen Euro).

M1 ist in Myanmar bereits durch eine Beteiligung an Irrawaddy Green Towers vertreten. Dieses Unternehmen vermietet Sendestandorte an alle Mobilfunk-Netzbetreiber in dem Land. Außerdem hält M1 6,4 Prozent an der MTN Group. Das südafrikanische Unternehmen ist in zahlreichen afrikanischen Ländern, sowie in Afghanistan, dem Iran, dem Jemen und Syrien als Telecom-Netzbetreiber tätig. Darüber hinaus ist M1 in zahlreichen Wirtschaftsbereichen und Ländern engagiert.

Telenor hat den Wert seiner Tochter in Myanmar nach dem Militärputsch bereits im ersten Quartal von etwa 650 Millionen Euro auf Null abschreiben müssen. So hat der Putsch in Myanmar Telenor in die Verlustzone gerissen. Telenor Myanmar bietet seit September 2014 Mobilfunk an und hat etwa ein Drittel der Einwohner als Kunden gewinnen können. Seit 2017 ist der Cashflow positiv.

Dividenden haben die Investitionen von über einer halben Milliarde Euro aber noch nicht zurückgezahlt. Wie hoch der Verlust konkret ausfällt, weiß Telenor noch nicht. Das wird sich erst beim Closing herausstellen.

Gerade für Demokratie- und Menschenrechtsaktivisten dürfte Telenor Myanmar erste Wahl gewesen sein. "Wir sind vor allem auf Telenor angewiesen", zitiert Reuters den Menschenrechtsverfechter Thet Swe Win, "Die meisten unserer Aktivisten verlassen sich auf Telenor als Firma, die Menschenrechte respektiert. Ich hoffe, dass die neue Firma die Menschenrechte genauso respektiert, wie Telenor es in der Vergangenheit getan hat."

Lesen sie zum Militärputsch in Myanmar bei telepolis: Déjà-vu in Myanmar

(ds)