Millionen meiden öffentliche Verkehrsmittel

Der Lockdown im Frühjahr traf auch Verkehrsunternehmen hart. Nach neuerlichen Corona-Einschränkungen wollen sie ihr Angebot möglichst aufrechterhalten.

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Kampagne der Bremer Straßenbahn AG.

(Bild: bsag.de)

Von
  • Andreas Wilkens

Die Corona-Pandemie hat die Fahrgastzahlen in Bussen und Bahnen drastisch einbrechen lassen. Von April bis Juni waren nach Angaben des Statistischen Bundesamts ungefähr 75 Prozent weniger Personen im Fernverkehr unterwegs als im Vorjahreszeitraum. Der Bahn-Fernverkehr schrumpfte um 71 Prozent, der Linienverkehr mit Fernbussen erlebte ein Minus von 96 Prozent. Im gesamten ersten Halbjahr 2020 waren mit 45 Millionen Personen rund 46 Prozent weniger im öffentlichen Personenfernverkehr unterwegs als im Vorjahreszeitraum.

Im Nahverkehr, der im ersten Halbjahr 2019 fast 99 Prozent des gesamten Linienverkehrs ausmachte, sind die Rückgänge im ersten Halbjahr 2020 unter anderem wegen vieler Zeitfahrkarten noch nicht endgültig bemessbar, teilte das Statistische Bundesamt mit. Nach vorläufigen Ergebnissen waren im Eisenbahn-Nahverkehr mit 874 Millionen Fahrgästen 37 Prozent weniger Menschen unterwegs als im Vorjahreszeitraum, im Liniennahverkehr mit Bussen 22 Prozent und in Straßenbahnen – zu denen Stadtbahnen, Hoch- und U-Bahnen sowie Schwebebahnen zählen – 24 Prozent weniger.

Das zweite Quartal des Jahres war geprägt von den Corona-Einschränkungen, die ab März verhängt worden waren – Schulen und Kitas mussten schließen, Arbeitnehmer blieben im Homeoffice, auch der Kultur- und Sportbetrieb ruhte vorübergehend.

Den zwischenzeitlichen Tiefststand bei den Fahrgastzahlen im ÖPNV gibt der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) mit 20 Prozent des Vorjahresniveaus an. Dennoch hielten die Unternehmen den Verkehr zum großen Teil aufrecht. Dies sei auch bei erneuten Einschränkungen des öffentlichen Lebens geplant. "Allerdings muss die Aufrechterhaltung eines umfangreichen ÖPNV-Angebotes bei wegbrechenden Fahrgeldeinnahmen auch finanziert werden. Ansonsten ist dies nicht leistbar", erklärte VDV-Präsident Ingo Wortmann. Die Unternehmen stehen finanziell unter Druck. Bund und Länder haben deshalb beschlossen, die Einbußen auszugleichen.

Derzeit liegt die Auslastung der Busse und Bahnen nach VDV-Angaben im Schnitt bei rund 70 Prozent des Vorjahresniveaus. Nach Jahren mit Rekordwerten fehlten neben Berufspendlern weiter Touristen und Gelegenheitskunden, da Messen, Konzerte und Sportereignisse nicht oder nur sehr eingeschränkt stattfänden.

Vorige Woche nahm die Mobilität in Landkreisen und kreisfreien Städten mit einer kritischen 7-Tage-Inzidenz gegenüber der 38. Kalenderwoche (14. bis 20. September) um zwölf Prozent ab. "Wenngleich auch Faktoren wie das Wetter und die touristische Aktivität die Mobilität der Bevölkerung beeinflussen, nahm die Mobilität in den weniger betroffenen Regionen im Vergleichszeitraum lediglich um sechs Prozent und damit etwa halb so stark ab", schreibt das Statistische Bundesamt.

Wann das Vorkrisenniveau wieder erreicht sei, hänge vom Infektionsgeschehen und staatlich verordneten Einschränkungen ab, erklärte VDV-Präsident Wortmann: "Wir rechnen allerdings damit, dass wir die Folgen der Pandemie noch lange über das Jahresende hinaus spüren werden." Um Fahrgästen die Sorge vor Ansteckung zu nehmen, setzt die Branche derzeit auf eine Aufklärungskampagne. Prominente wie Musiker Wolfgang Niedecken und Ex-Handballer Stefan Kretzschmar rufen dabei zur Nutzung von Bussen und Bahnen auf.

Für den Bahn-Fernverkehr hat das Statistische Bundesamt eine Auswertung anonymisierter Mobilfunk-Daten vorgenommen. Diese zeige, dass die Auslastung der Züge zwar zwischenzeitlich angestiegen sei, seit August aber wieder sinke. Der Trend habe sich im Oktober nochmals verstärkt, so dass die Zahlen mittlerweile wieder bis zu 50 Prozent unter den Vorjahreswerten lägen. (mit Material der dpa) /

(anw)