Missbrauchsbeauftragte: Chat-Betreiber müssen Alter kontrollieren und filtern

Die Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung fordert den Einsatz von Filtern und Alterskontrollen für Chats, um pädokriminelle Straftaten zu verhindern.

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(Bild: JpegPhotographer/Shutterstock.com)

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  • dpa

Die Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung sieht Betreiber von Kinder- und Jugend-Chats in der Verantwortung, das Alter ihrer Nutzer richtig zu prüfen. "Die Betreiber müssen sicherstellen, dass das Kind wirklich erst 13 Jahre alt ist und nicht doch 43, sie müssen also einen Nachweis für die Identifikation der Person fordern, bevor jemand dort chatten darf", sagte Kerstin Claus den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Montag). Pädokriminelle Straftaten werden oft in sozialen Medien und Chaträumen von Onlinespielen angebahnt, ausgeübt und weiterverbreitet.

Claus sagte zu den Vorschlägen der EU-Kommission, dass Internet-Unternehmen verpflichtet werden können, die privaten Nachrichten all ihrer Nutzer nach illegalen Missbrauchsdarstellungen zu durchleuchten: "Ich finde, es muss ein gestuftes Verfahren bei der Chatkontrolle geben – wie weitgehend, da sind wir noch in der Diskussion. Klar ist aber: Wir müssen im Netz Kinder und Jugendliche besser schützen. Das Internet ist kein rechtsfreier Raum, daher brauchen wir auch dort Regeln und Grenzen, die ja in der analogen Welt auch selbstverständlich sind."

Filter sollten demnach "bemerken, welche privaten Daten Kinder hochladen – wie beispielsweise eine Telefonnummer". "Auf Vermittlungsplattformen für Ferienwohnungen gibt es solche technisch gestützten Einschränkungen, damit Vermieter und Mieter sich nicht am Vermittler vorbei verständigen können. Wenn wir solche Algorithmen für wirtschaftliche Interessen verwenden, müssen wir das doch erst recht tun, um unsere Kinder vor solch privaten Kontakten zu schützen."

Die Journalistin und Politikberaterin Kerstin Claus (59) wurde Ende März vom Kabinett zur "Unabhängigen Beauftragten der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs" berufen. Sie löste Johannes-Wilhelm Rörig nach mehr als zehn Jahren ab. Das Amt des Beauftragten ist nach dem sogenannten Missbrauchsskandal 2010 eingerichtet worden, nachdem Fälle an renommierten Bildungseinrichtungen wie dem Canisius-Kolleg in Berlin und der Odenwaldschule in Hessen öffentlich geworden waren.

(kbe)