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Mit Weitblick: Fisheye- und Weitwinkelobjektive richtig einsetzen

Fisheye-Objektive

Inhaltsverzeichnis

Demonstration extremer Kissenverzeichnung (links) und Tonnenverzeichnung (rechts).

Bei Aufnahmen mit extremen Weitwinkeln kommt es leicht zu Bildverzerrungen. Man muss sorgfältig zwischen verschiedenen Einflüssen unterscheiden: Zoomobjektive haben meistens an den Enden ihres Bereiches Bildfehler, die man Verzeichnung nennt. Typischerweise ist sie im Telebereich kissenförmig (Linien am Bildrand nach innen gekrümmt), und im Weitwinkelbereich tonnenförmig (Linien am Bildrand nach außen gebogen).

Bei den bisher gezeigten Bildern handelt es sich um sogenannte "lineare" Weitwinkelaufnahmen, die im Idealfall von sich aus keine Verzeichnungen gerader Linien produzieren. Nicht zu verwechseln mit den "stürzenden Linien", die man je nach Ausrichtung des Objektivs bei Aufnahmen erkennt, beispielsweise bei nach oben gerichteter Kamera. Solche Weitwinkel-Objektive arbeiten bei der Wiedergabe von flächigen Testvorlagen oder Motiven (wie Häuserfronten) annähernd linear, das heißt, gerade Linien werden (im Idealfall) als gerade Linien wiedergegeben, Quadrate oder Kreise bleiben Quadrate oder Kreise, gleichgültig, in welchem Bildbereich sie sich befinden. Das gilt natürlich nur so lange, wie die Motivebene parallel zur Bildebene verläuft. Fotografiert man Häuserfronten schräg, ob nun von der Seite oder von unten nach oben, kommt es zu perspektivischen Verzerrungen, die keinen Fehler des Objektivs darstellen, sondern den Gesetzen der perspektivischen Darstellung entsprechen. Sie treten aber bei Weitwinkeln um so stärker und dramatischer in Erscheinung, je größer der Bildwinkel ist.

Aufnahme mit dem EF 15mm f/2,8 Fisheye von Canon. Hier bietet das Objektiv einen diagonalen Bildwinkel von 180 Grad bei voll ausgezeichnetem rechteckigem Bild.

Etwas ganz anderes sind Fisheye-Objektive, die auch von planen Vorlagen, die parallel zur Bildebene aufgenommen werden, kurvig verzerrte Bilder erzeugen, bei denen gerade Linien, die nicht durch den Bildmittelpunkt laufen, zu Kurven werden; und zwar um so stärker, je weiter sie sich am Rand befinden. Es gibt Fisheye-Objektive wie das Canon EF 15mm f/2,8 oder das Sigma 10mm f/2,8 EX DC, die "formatfüllend" abbilden, das heißt, das rechteckige Bild, das der Sensor der Kamera erfasst, wird vollständig ausgezeichnet. Die Kugelperspektive wird entsprechend beschnitten.

Demonstration der Verzerrung von Kugelobjekten am Rand von Weitwinkelaufnahmen: je flacher die Strahlen, desto mehr wird der Äquator der Kugel in die Breite gezogen. Die graue Linie symbolisiert die Ebene des zweidimensionalen fotografischen Abbildes.

Im Gegensatz dazu erzeugen Objektive wie das Sigma 4,5mm f/2,8 EX DC circular Fisheye ein kreisrundes Bild, das nur einen Teil des Sensorformates ausnutzt, dafür aber in allen Richtungen den vollen Bildwinkel aufnimmt, der in diesem Fall 180° beträgt. Und schließlich gibt es eine dritte Sorte von "Verzerrungen", die schwieriger zu verstehen ist und die meistens dann unangenehm auffällt, wenn man rundliche Objekte wie die Köpfe von Personen mit einem starken Weitwinkel am Rand des Bildes aufnimmt.