Mittelmäßige Noten für den Rechenzentrumsstandort Deutschland

Nach dem Data Center Location Index 2021 gilt Deutschland zwar als attraktiver RZ-Standort, kann aber in einigen Bereichen nicht mit anderen Ländern mithalten.

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Cloud, Rechenzentrum,

(Bild: Gorodenkoff / shutterstock.com)

Von
  • Susanne Nolte

Deutschland bietet Rechenzentrumsbetreibern nur mittelmäßige Rahmenbedingungen. Zu diesem Schluss kommt das Beratungsunternehmen Arcadis in seinem Data Center Location Index 2021. Es hat die Standortbedingungen in 50 etablierten und aufstrebenden IT-Nationen untersucht. Zugleich gehört Deutschland aber unter anderem wegen der hohen Datennachfrage zu den attraktivsten Rechenzentren-Standorten in Europa, so die Analysten.

Führend in dem weltweiten Vergleich sind die USA, gefolgt von Singapur und Japan. Danach folgt Nordeuropa: Schweden, Norwegen, Dänemark, die Vereinigten Arabischen Emirate, Finnland, Frankreich und die Schweiz vervollständigen die Top10. Die Bundesrepublik Deutschland landete auf Platz 26. Vor ihr reihen sich unter anderem noch Großbritannien (13), Luxemburg (17), die Niederlande (19), Polen (20), Estland (23), Österreich (24) und Russland (25) ein, hinter ihr das Steuerparadies Irland (28), Litauen (29) Spanien (30), Italien (31), Belgien (32), Island (36), Portugal (37) und Tschechien (38).

Neben der Verlässlichkeit, der Art und den Kosten der Energieversorgung zählen die Dauer der Genehmigungsprozesse, die Cybersicherheit, der Datenschutz und die Vorschriften zum Schutz der Privatsphäre zu den Rahmenbedingungen, außerdem die Betriebskosten, staatliche Anreize und mögliche Umweltauswirkungen.

Für den Standort Deutschland sprechen infrastrukturelle, politische und rechtsstaatliche Aspekte sowie die Existenz vieler unterschiedlicher kritischer Applikationen, die die Nähe zum Abnehmer erfordern. Zudem ist die Datennachfrage in dem bevölkerungsreichsten Land Europas und der weltweit viertgrößten Volkswirtschaft groß. Zu den Pluspunkten gehören außerdem die Energiesicherheit durch stabile Netze, die hohe mobile Breitbandnutzung, die Cybersicherheit und der steigende Anteil erneuerbarer Energieträger am Strommix.

Die Mischung aus sicherer Stromversorgung und einem hohen Anteil erneuerbarer Energieträger hilft Rechenzentrumsbetreibern beim Spagat zwischen ihrem extrem hohen Energiebedarf und ihrem Ansehen als verantwortungsvolle Anbieter. Zu den Nachteilen des Standorts Deutschland zählen vor allem die hohen Energiepreise sowie die langwierigen, komplexen Genehmigungsvorgänge und die damit verbundenen Auflagen.

Die meisten in Deutschland ansässigen Rechenzentren tummeln sich in und um Frankfurt am Main. Dort befindet sich der weltgrößte Internetknoten DE-CIX mit einem Datenvolumen von durchschnittlich 6 TBit/s. Periphere Standorte rücken durch die Bevorzugung von Standorten mit regenerativer Energien und alternativen Kühlungsmöglichkeiten, durch Edge-Computing und die begrenzten Zubaukapazitäten in der Region Frankfurt zunehmend in den Fokus der Betreiber.

Im Data Center Location Index 2021 werden die untersuchten Standorte anhand von acht Kriterien bewertet, die sich in Indikatoren auf der Angebots- und der Nachfrageseite unterteilt. Zur Angebotsseite gehören das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf, der Umgang mit Baugenehmigungen, der Strompreis, die Energiesicherheit und die Cybersicherheit. Auf der Nachfrageseite stehen die Verbreitung mobilen Breitbandanschlüsse in der Bevölkerung, die Größe des Inlandsmarkts und die mittlere Downloadgeschwindigkeit. Die Angebots- und Nachfrage-Indikatoren machten jeweils die Hälfte der Bewertung aus und alle Faktoren seien aus öffentlich zugänglichen Quellen zusammengetragen worden.

(sun)