Mittwoch: Microsoft-Absage, Porno-Scan, Myanmar-Netzüberwachung & Bitcoin-König

Pentagon schreibt JEDI neu aus + EU erlaubt Kinderporno-Scans + Myanmar erpresst Telecom-Manager + Brasiliens "Bitcoin-König" in Haft + RED-Umsetzung kritisiert

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Einbruch, Stacheldraht, Zaun, Überwachung, Sicherheit

(Bild: heise online / anw)

Von
  • Frank Schräer

Während das Pentagon den Cloud-Milliardenauftrag an Microsoft streicht und das Projekt JEDI neu ausschreibt, erlaubt die EU flächendeckende Scans nach Kinderpornografie durch Diensteanbieter. In Brasilien wurde dagegen der selbst ernannte Bitcoin-König wegen Unterschlagung festgenommen. Nicht festgenommen, aber erpresst werden Telecom-Manager in Myanmar, denn sie dürfen erst ausreisen, wenn sie zur Netzüberwachung beitragen. Bedroht sieht sich auch die Open-Source-Szene durch die von der EU-Kommission erarbeiteten Vorschriften zur Umsetzung der Funkanlagenrichtlinie RED – die wichtigsten Meldungen im kurzen Überblick.

Nach der umstrittenen Vergabe eines milliardenschweren Cloud-Computing-Auftrags an Microsoft will das US-Verteidigungsministerium den Vertrag nun auflösen. Der seit Langem verzögerte Auftrag erfülle wegen "sich verändernder Anforderungen" nicht mehr den Bedarf des Militärs, erklärte das Ministerium. Die Schritte zur Vertragsauflösung seien eingeleitet worden. Die Order 66 des Projekt JEDI: Pentagon streicht an Microsoft vergebenen Cloud-Milliardenauftrag.

Keinen Auftrag, aber die Erlaubnis bekommen haben Facebook, Google, Microsoft und andere Diensteanbieter, um private Nachrichten ihrer Nutzer in der EU wieder rechtmäßig nach Darstellungen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger scannen zu dürfen. Einen entsprechenden Gesetzentwurf hat das EU-Parlament am Dienstag verabschiedet. Damit sind flächendeckende Scans nach Kinderpornografie erlaubt.

Eine Netzüberwachung strebt auch die Militärdiktatur Myanmars an und dafür hat diese einen geheimen Befehl erlassen, wonach hochrangige Mitarbeiter der Telekommunikationsanbieter das Land nicht verlassen dürfen. Es sei denn, sie haben eine ausdrückliche Genehmigung der Militärdiktatur. Die Manager dienen der Diktatur offenbar als Geiseln, denn Myanmar erpresst die Netzüberwachung durch Ausreiseverbot für Telecom-Manager.

Eine Überwachungserlaubnis benötigt die brasilianische Bundespolizei nicht mehr, denn sie hat Cláudio Oliveira bereits festgenommen, den Präsidenten der Bitcoin Banco Group und selbst ernannten Bitcoin-König Brasiliens. Er soll Investoren um 1,5 Milliarden Real (BRL) geprellt haben – aktuell umgerechnet 244 Millionen Euro. Neben Unterschlagung werden Brasiliens "Bitcoin-König" auch Insolvenzdelikte und Geldwäsche vorgeworfen.

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Funkanlagen sind nur ein Teil von Überwachungsszenarien, aber mit der EU-Funkanlagenrichtlinie RED schwebt ein Damoklesschwert über der Open-Source- und Maker-Szene. Das Gesetz enthält einen Passus, der es Nutzern deutlich schwerer macht, systemrelevante Software in Geräten mit Funkmodulen in Eigenregie oder mithilfe alternativer Programme zu installieren oder zu verbessern. Dies betrifft vor allem etwa gemeinnützige Initiativen wie Freifunk, Osmocom für freien Mobilfunk oder die Macher der Linux-Distribution OpenWrt für eingebettete Systeme. Mit der RED-Umsetzung droht der Open-Source-Szene der Ausschluss aus der Funktechnik.

Für andere Entwickler interessant ist der freie und von Microsoft als Open-Source-Projekt maßgeblich entwickelte Quelltext-Editor Visual Studio Code. Dieser hat sich über die Jahre einen Namen in der Entwickler-Community gemacht, und das über die sonst oft so starren Grenzen der Microsoft-Community hinaus. VS Code, wie der Editor oft abgekürzt wird, ist performant, einfach zu bedienen, plattformunabhängig und geradlinig ohne Firlefanz. Ist Visual Studio Code ein Code-Editor für alle(s)?

Auch noch wichtig:

(fds)