Mobilentwicklung: Android-UI-Toolkit Jetpack Compose startet durch

Das Toolkit zum deklarativen Erstellen von Oberflächen mit Kotlin beendet die Betaphase, und Android Studio bietet eine umfangreiche Integration.

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(Bild: Google)

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  • Rainald Menge-Sonnentag

Google hat die erste stabile Version des UI-Toolkits Jetpack Compose und gleichzeitig ein neues Release der Entwicklungsumgebung Android Studio veröffentlicht. Letztere bringt vor allem Anpassungen zur Integration des Toolkits, das damit die im Februar begonnene Betaphase abschließt und nun offiziell in Version 1.0 verfügbar ist.

Jetpack Compose bietet einen neuen Ansatz zum Erstellen von Oberflächen. Es verfolgt einen deklarativen Ansatz und setzt auf die Programmiersprache Kotlin und ein reaktives Programmiermodell. Sogenannte Composable Functions definieren die einzelnen Bedienelemente – oder Teile davon. Über @Composable dekorierte Funktionen lassen sich ineinander verschachteln, um letztlich die Oberfläche zu erzeugen. Der Code beschreibt das grundlegende Aussehen der Oberfläche, um die Umsetzung in der Baumstruktur des UI kümmert sich das Toolkit unter der Haube.

Auf der Google I/O 2019 hatte der Internetriese Jetpack Compose erstmals vorgestellt und seit dem Erscheinen der Betaversion sind die APIs stabil und vollständig. Das Toolkit lässt sich nahtlos mit den für die UI-Gestaltung verwendeten Views kombinieren. Letztere lassen sich in eine mit Compose erstellte Oberfläche integrieren, und umgekehrt können Compose-Elemente Bestandteil einer View sein.

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Außerdem bietet Compose eine enge Integration in die Komponentensammlung Android Jetpack. Auf die Weise lassen sich unter anderem Libraries für die Navigation oder mit LiveData anbinden. Für Listen mit vielen oder einer anfangs unbekannten Zahl von Einträgen hat Jetpack Compose mit LazyColumn und LazyRow spezielle Komponenten. Sie enthalten einen dedizierten Block, der den Inhalt beschreibt, und kümmern sich um die Darstellung der im Scrollbereich sichtbaren Elemente.

Für Animationen existiert ebenfalls eine eigene API. Die zugehörige Dokumentationsseite gibt Hilfen bei der Entscheidung für die passende Animation in unterschiedlichen Apps. Schließlich bietet Compose eine Implementierung von Komponenten nach den Vorgaben des ebenfalls von Google entwickelten Material Design.

Parallel zum stabilen Release von Jetpack Compose hat Google eine neue Version der Entwicklungsumgebung Android Studio herausgegeben. Sie trägt den Beinamen Arctic Fox und läutet mit der Nummer 2020.3.1 die im Dezember 2020 angekündigte semantische Versionierung für die IDE ein. Android Studio basiert auf der Entwicklungsumgebung IntelliJ IDEA von JetBrains, die frisch in Version 2021.2 erschienen ist. Basis für das aktuelle Android Studio ist jedoch die Version 2020.3, die in die Zählweise der IDE eingeflossen ist.

Als Beinamen setzt Google auf Tiere, die wie einst die Süßigkeiten für Android in alphabetischer Reihenfolge auftreten werden. Das nächste Release soll der Hummel gewidmet sein, die im Englischen Bumblebee heißt.

Die wichtigsten Neuerungen im aktuellen Release betreffen die Einbindung von Jetpack Compose. Über die Annotation @Preview lässt sich eine integrierte Vorschau der Komponenten anstoßen. Entwicklerinnen und Entwickler können damit unter anderem unterschiedliche Konfigurationen der mobilen Komponenten beispielsweise über Theming begutachten. Änderungen an String- Zahlen- oder anderen Literalen zeigt die Preview ohne Kompiliervorgang an.

Der Compose Layout Inspector gewährt einen genaueren Einblick in die einzelnen Bestandteile und Layer der Oberfläche. Optional können Endgeräte beim Entwickeln beziehungsweise Testen der App ein Live-Update der Daten an die Entwicklungsumgebung streamen.

Der Compose Layout Inspector zeigt auf Wunsch in einer 3D-Ansicht die einzelnen Ebenen an.

(Bild: Google)

Neben den Ergänzungen für Jetpack Compose gehört das Wear OS Pairing zu den nennenswerten Neuerungen in Arctic Fox. Die IDE verbindet darüber den Wear-OS-Emulator mit einem physischen Smartphone oder dem Android-Emulator. Derzeit funktioniert die Anbindung allerdings nur mit Wear OS 2. Die Integration von Wear OS 3 will Google nachreichen.

Schließlich gibt der neu eingeführte Background Task Inspector Einblick in die im Hintergrund laufenden Worker-Prozesse, sofern die App die WorkManager-API nutzt, die in Jetpack enthalten ist.

Weitere Neuerungen in Android Studio 2020.3.1 lassen sich ebenso dem Android-Developer-Blog entnehmen wie die Ankündigung zum stabilen Release von Jetpack Compose.

(rme)