Mobilfunk-Frequenzen: 1&1-Chef für Aufteilung statt Auktion​

Noch ist offen, wie die 2025 auslaufenden Lizenzen für Frequenzen neu vergeben werden. Ralph Dommermuth von Newcomer 1&1 fordert eine "faire Verteilung".

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Will den deutschen Mobilfunkmarkt aufmischen: 1&1-CEO Ralph Dommermuth.

(Bild: 1&1)

Von
  • Volker Briegleb
  • mit Material der dpa

Bei der Vergabe von Mobilfunkfrequenzen fordert der Chef des frischgebackenen Mobilfunknetzbetreibers 1&1, Ralph Dommermuth, einen Verzicht auf die bisher üblichen milliardenschweren staatlichen Auktionen. Es sollte eine "Industrielösung" geben, bei der die vier Anbieter die Frequenzen auf dem Verhandlungsweg untereinander aufteilen, sagte Dommermuth der dpa in Montabaur.

"Ich investiere das Geld auch lieber ins Netz, anstatt es für Frequenzen auszugeben", sagte der CEO von United Internet. "Unter Aufsicht der Bundesnetzagentur sollten sich die vier Netzbetreiber auf eine faire Verteilung einigen." Es geht ihm um Frequenzen im Bereich zwischen 700 und 900 MHz, die eine große Reichweite haben und für die Versorgung auf dem Land wichtig sind.

Anfang 2026 wird Spektrum frei, das bisher von der Telekom, Vodafone und Telefónica (O2) genutzt wird. Künftig gibt es aber nicht nur drei, sondern vier Mobilfunk-Netzbetreiber in Deutschland. Denn im Sommer 2023 will 1&1 sein neues eigenes Netz, dessen Aufbau bereits begonnen hat, nach einer Betriebsaufnahme mit einem begrenzten Angebot von Fixed Wireless Access (FWA) auch für seine Handy-Kunden öffnen.

Für Frequenzen bei 2,1 und 3,5 GHz hatte 1&1 bereits bei der Auktion 2019 Nutzungsrechte ersteigert. Dabei nahm der Staat 6,5 Milliarden Euro von den vier Bietern ein. Ein Verzicht auf eine erneute Auktion wäre für die Bundesregierung auch ein Verzicht auf hohe Einnahmen. Ob es wieder eine Versteigerung gibt, eine Vergabe gegen Gebühren oder einen ganz anderen Weg, hat die Bundesnetzagentur noch nicht entschieden.

In der Frequenzfrage sind die etablierten Netzbetreiber Telekom, Vodafone und O2 ebenfalls gegen eine Auktion. Sie plädieren gerne für eine Verlängerung der fraglichen Nutzungsrechte, wenn auch nur für einen bestimmten Zeitraum. Doch damit würde der Bund dem neuen Wettbewerber den Start erschweren. "Damit würde 1&1 offensichtlich diskriminiert werden, das wäre mit deutschem Recht und mit EU-Recht nicht vereinbar", sagt Dommermuth.

Der 1&1-Chef bringt nun mit der Verhandlungslösung eine weitere Möglichkeit in die Diskussion ein. Im Falle eines Scheiterns der Branchengespräche sollte es aber doch wieder eine Versteigerung geben, meint Dommermuth. "Die Auktion hat sich in der Vergangenheit als probater Weg erwiesen, um ein knappes Gut zu verteilen."

Das Argument, dass es zwar genug Spektrum gebe für drei Netzbetreiber, aber zu wenig für vier, lässt Dommermuth nicht gelten. "In allen großen europäischen Ländern gibt es vier Netze, auch dort gibt es exakt die gleichen Frequenzen wie in Deutschland." In Frankreich zum Beispiel habe es keine Auktion, sondern eine Industrielösung gegeben, bei der das Spektrum geviertelt und dann vergeben worden sei.

Bisher ist 1&1 als sogenannter "Mobile Virtual Network Operator" (MVNO) auf den Netzen von O2 und Vodafone im Markt präsent. Der Aufbau des eigenen Netzes hat aber bereits begonnen. Zunächst hat sich 1&1 zahlreiche Antennenstandorte bei Infrastrukturanbietern wie Vantage Towers oder American Towers gesichert. Das Unternehmen setzt beim Ausbau auf den offenen Mobilfunkstandard Open RAN und japanischen Partner Rakuten, der damit schon einschlägige Erfahrungen hat.

Mit den eigenen 5G-Frequenzen sind Ausbauauflagen verbunden: Bis Ende des Jahres muss 1&1 insgesamt 1000 Antennen in Betrieb nehmen. Ende 2030 muss das 5G-Netz von 1&1 mindestens 50 Prozent der deutschen Haushalte erreichen, so sehen es Auflagen der Netzagentur vor. "Wir werden diese Zielmarke vermutlich schon wesentlich früher schaffen", sagt Dommermuth.

Der Ausbau des Netzes kommt nach den Worten von Dommermuth gut voran. In Karlsruhe, Mainz und Frankfurt laufen erste Tests mit einigen Kunden, die Mobilfunk als Ersatz für einen DSL-Anschluss nutzen (FWA). Im Download werde mehr als ein Gigabit pro Sekunde bei einer Latenz von nur drei Millisekunden erreicht. "Wir müssen noch weiter skalieren und testen, aber es sieht schon heute sehr gut aus", sagt Dommermuth.

Im dritten Quartal 2023 soll das eigene Mobilfunknetz auch für Kunden mit Mobiltelefonen geöffnet werden. Danach sollen die derzeit 11,4 Millionen MVNO-Bestandskunden innerhalb von zwei Jahren schrittweise auf das eigene Netz umgezogen werden. Zum Start soll das Netz in etwa 390 deutschen Städten verfügbar sein.

Wo noch keine 1&1-Antennen funken – und das wird in der Anfangsphase auf dem Großteil von Deutschlands Fläche sein – gilt ein "National Roaming"-Vertrag mit Telefónica Deutschland, dank dem 1&1-Kunden im O2-Netz telefonieren und surfen können.

(vbr)