iCloud Private Relay: Mobilfunker mögen Apples VPN-Dienst nicht

iCloud Private Relay störe in der EU die "digitale Souveränität", behaupten unter anderem Deutsche Telekom, Telefonica, Vodafone und Orange.

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Tim Cook vor einem iPhone.

Apple-Boss Tim Cook vor iPhone.

(Bild: Apple)

Von
  • Ben Schwan

Eine Gruppe großer europäischer Mobilfunknetzbetreiber hat Apples VPN-artigen Dienst "iCloud Private Relay" scharf kritisiert. In einem Brief an die EU-Kommission vom August, der jetzt erst bekannt wurde, schreiben Vodafone, Telefonica, Orange und der Telekom-Tochter T-Mobile, der Verschlüsselungsdienst, der Kommunikationsinhalte gegenüber Netzbetreibern absichert, unterminiere "die digitale Souveränität" in der EU.

Der Brief, der dem britischen Independent vorliegt, soll die EU offenbar dazu anregen, regulatorisch einzugreifen – und den Dienst gegebenenfalls verbieten zu lassen, da er verhindere, dass Telekom & Co. ihre Netze managen können. iCloud Private Relay gebe vor, die Privatsphäre der Nutzer zu verbessern, indem etwa im Web der Datenverkehr verschlüsselt und umgeleitet werde. Dabei schneide Apple Netzwerke und Server jedoch von dem Zugriff auf wesentliche Daten und Metadaten ab, die für das Netzmanagement der Mobilfunkanbieter notwendig seien.

Dies habe "signifikante Konsequenzen" für "Europas digitale Souveränität". iCloud Private Relay könne Innovationen anderer sowie den Wettbewerb negativ beeinflussen – ebenso wie "die Möglichkeit der Mobilfunkanbieter, ihre Telekommunikationsnetze effizient zu managen". Apple werde so zu einem "digitalen Gatekeeper" im Sinne des neuen Digital Markets Act der EU, der allerdings noch nicht in Kraft getreten ist.

Zuvor hatten Betreiber wie die Deutsche Telekom bereits davor gewarnt, dass iCloud Private Relay im Sinne der Netzneutralität umstrittene Zero-Rating-Dienste wie StreamOn bei der (Nicht-)Abrechnung stören könnte. Die Mobilfunker befürchten offenbar, durch einen weitläufigen Einsatz von VPN-Diensten die Kontrolle über den über ihre Netze laufenden Datenverkehr zu verlieren.

Apple hatte iCloud Private Relay in iOS 15 sowie macOS 12 eingeführt – aktuell ist es noch Beta. Der Dienst ist nur nutzbar, wenn man ein kostenpflichtiges Abo für iCloud ("iCloud+") hat. Für 50 GByte Speicherplatz geht es bei einem Euro pro Monat los. Kritik an iCloud Private Relay wurde auch in anderen Märkten wie Großbritannien durch erste Mobilfunkanbieter geübt. In den USA soll T-Mobile unterdessen die Funktion unter bestimmten Umständen sogar blockieren – Apple hat Netzbetreibern diese Möglichkeit explizit eingeräumt, auch Firmen und Schulen können den Dienst sperren. Auch der kanadische Netzbetreiber Telus macht davon bereits Gebrauch.

iCloud Private Replay verschlüsselt unter anderem DNS-Anfragen. Apple soll dafür Oblivious-DNS mit zusätzlicher Verschlüsselung und zwei Proxys verwenden, die jeweils nur Teile der DNS-Anfrage einsehen und von zwei unabhängigen Instanzen betrieben werden. Im Unterschied zu vielen "echten" VPN-Diensten sollen dadurch Dritte – darunter Apple – keinen Einblick in das Surf-Verhalten erhalten.

[Update 12.01.22 9:23 Uhr:] Die Blockade von iCloud Private Relay durch T-Mobile USA soll zumindest teilweise an einem Bug liegen. Der Carrier will ihn bereits an Apple gemeldet haben.[/Update]

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(bsc)