Monate nach US-Gesetzesänderung: Freie Satellitenbilder von Israel noch unscharf

2020 hat die US-Regierung US-Unternehmen erlaubt, Satellitenbilder von Israel in höchster Auflösung zu zeigen. Nun gibt es Kritik an der fehlenden Umsetzung.

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  • Martin Holland

Obwohl ein Verbot der US-Regierung vergangenes Jahr aufgehoben wurde, zeigen frei verfügbare Satellitenbilder Israel und den Gazastreifen weiterhin nicht in derselben hohen Auflösung wie andere Regionen. Das kritisiert unter anderem ein Investigativjournalist des Portals Bellingcat, der mit solchem Material arbeitet.

Angesichts der Wichtigkeit der aktuellen Ereignisse in der Region sehe er keinen Grund, warum kommerzielle Aufnahmen des Gebiets absichtlich unschärfer gemacht werden sollte, twittere Nick Waters. Gegenüber der BBC machte weder Apple noch Google Angaben dazu, wann höher aufgelöste Satellitenbilder in den eigenen Kartendiensten verfügbar gemacht werden. Microsoft hat zwar aktuelle Aufnahmen, die sind aber weiterhin nachträglich unschärfer gemacht.

Eigentlich hatte die US-Regierung im Sommer 2020 den Weg dafür frei gemacht, dass US-Anbieter von Satellitenbildern auch Israel und die Palästinensergebiete mit einer besseren Auflösung als zwei Meter pro Pixel zeigen können. Dem hatte vorher für mehr als 20 Jahre ein eigens dafür verfasster Gesetzestext widersprochen – das Kyl-Bingaman Amendment. Angesichts der immer besseren Qualität von Satellitenbildern hatten Forscher die auf den Kalten Krieg zurückgehende Beschränkung kritisiert, denn solch eine Sonderregelung gab es für kein anderes Land der Welt. Internetnutzern dürfte das vor allem auf Google Maps aufgefallen sein, wo die aktuellsten Aufnahmen das Gazastreifens beispielsweise aus dem Jahr 2016 stammen, die des nahen Damaskus aber von 2020.

Angesichts der jüngsten Kämpfe in Israel und im Gazastreifen ist die Sonderregelung nun wieder in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt, auch durch Forscher wie Waters. Satellitenbilder hätten wiederholt dazu beigetragen, die Mächtigen der Welt zur Rechenschaft zu ziehen, erklärt er. Die alten Bilder in absichtlich schlechterer Qualität des Konfliktgebiets erschweren seine Arbeit. Über kommerzielle Anbieter wie Planet Labs und Maxar sind gegen Bezahlung aber inzwischen Aufnahmen in einer Auflösung von 40 beziehungsweise 50 Zentimetern pro Pixel verfügbar, versicherten die Anbieter gegenüber der BBC. Wann die kostenlos verfügbaren Plattformen etwa von Apple und Google bessere Fotos erhalten, ließen die Anbieter gegenüber der BBC nun offen. Bei Microsoft sind die Aufnahmen aktueller, aber weiterhin nachträglich unscharf gezeichnet.

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(mho)