Mondfahrt: NASA hofft auf Milliarden - und will bei Bildung und Forschung sparen

Donald Trump möchte NASAs Bildungsprogramm einstellen und bei der Forschung kürzen. Dieses Geld (und noch viel mehr) braucht er für eine Mondlandung.

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Raketenhain im JFK Space Center der NASA

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

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  • Daniel AJ Sokolov

Weg von Forschung, weg von Bildung, hin zu spektakulären Mondfahrten. Das ist Donald Trumps NASA-Politik. Jedes Jahr versucht der US-Präsident, das Budget der NASA darauf auszurichten. Jedes Jahr schützt das US-Parlament die bedrohten NASA-Programme. Diese Woche warf sich NASA-Chef Jim Bridenstine für Trumps Pläne ins Zeug: Sollen Amerikaner noch in Trumps etwaiger zweiter Amtszeit den Mond betreten, müssen noch dieses Jahr Milliarden bewilligt werden.

Das machte Bridenstine am Mittwoch bei einer Anhörung im US-Senat deutlich. Kommenden Donnerstag beginnt das neue Finanzjahr der Vereinigten Staaten von Amerika. Ein Budget gibt es bislang nicht, was inzwischen normal geworden ist. Wenn es gut geht, beschließen die beiden Kammern des Parlaments im Dezember ein Budget. Bridenstine hofft auf ein Weihnachtswunder in Form von 25,246 Milliarden US-Dollar.

Das wären 2,6 Milliarden oder zwölf Prozent mehr als im zu Ende gehenden Finanzjahr bewilligt waren. Dabei würde aber in den meisten NASA-Bereichen gespart. Denn der Budgetplan verfolgt deutlich ein Ziel: Die bemannte ARTEMIS-Mondmission, wie von Trump gewünscht, schon im Jahr 2024 zu ermöglichen. Deren Kostenprognose ist inzwischen auf 35 Milliarden US-Dollar angeschwollen.

Jim Bridenstine (mit Schutzmaske), Donald J. Trump mit Gattin sowie Vizepräsident Michael R. Pence (Archivbild)

(Bild: Weißes Haus (gemeinfrei))

Zusätzlich zum Space Launch System (SLS) braucht die NASA für ARTEMIS eine Mondlandefähre. Dafür möchten Trump und Bridenstine im kommenden Finanzjahr 3,2 Milliarden Dollar bewilligt haben. Dieses Geld würde zwischen den Firmen Blue Origin, Dynetics und SpaceX aufgeteilt, die jeweils an einer eigenen Mondlandefähre arbeiten.

Eines Tages möchte die NASA dann einer der Firmen den Zuschlag für Bau und Lieferung des Geräts geben. Dieser Wettbewerb soll die Entwicklung beschleunigen. Laut Bridenstine ist es höchste Eisenbahn: Werden die 3,2 Milliarden Dollar dieses Jahr nicht bewilligt, wird eine Mondfahrt im Jahr 2024 nicht möglich sein.

Auch die Budgets für Raumfahrttechnik sowie Bauarbeiten sollen deutlich wachsen, nämlich um 478 Millionen respektive 166 Millionen Dollar, jeweils etwa 44 Prozent. Ein vergleichsweise kleines Plus von 35 Millionen oder vier Prozent ist für die Luftfahrtsparte vorgesehen.

Ansonsten regiert der Sparstift: 832 Millionen Dollar möchte Trump beim Budget für wissenschaftliche Forschung streichen, was eine Kürzung um ein Neuntel wäre. Das bedeutete, dass die geowissenschaftlichen Projekte CLARREO Pathfinder und PACE Earth sowie die Astrophysik-Mission mit dem Nancy Grace Roman Space Telescope zum Finden von Exoplaneten gestrichen würden.

Das Space Launch System soll ein Achtel oder 329 Millionen Dollar weniger bekommen, und bei den für Weltraumerforschung notwendigen Bodeneinrichtungen fiel sogar mehr als Drittel des bisherigen Geldes weg (-205 Millionen Dollar).

Überhaupt schließen möchte Trump jene Abteilung, die Schulen bei wissenschaftlichen Bildungsprojekten unterstützt. Das würde 120 Millionen Dollar sparen, wie aus dem Budgetvoranschlag 2020 des Weißen Hauses hervorgeht. Obwohl diese Schulprogramme besonders populär sind und so manchen heute im Raumfahrtbereich tätigen Amerikaner inspiriert haben, versucht Trump bereits seit drei Jahren, sie einzustellen. Bisher hat das US-Parlament stets die Fortführung der Schulprogramme gesichert.

In dem Wahnsinn mit Methode, der in den USA zur Budgeterstellung gepflogen wird, ist das nur eine Fußnote. Lesen Sie im Telepolis-Archiv, wie man vielleicht kein Budget machen sollte:

(ds)