Montag: USA gegen chinesische Netzgeräte, Halbleiterbranche im bizarren Absturz

US-Nationale Sicherheitsbdenken + Halbleiter-Rekorde & - Rezession + Anordnung zum offenen Netzzugang + Gas- & Strompreisbreme + Interview zur Digital-Energie

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Auge einer Frau wird digital eingescannt

(Bild: Who is Danny / Shutterstock.com)

Von
  • Frank Schräer

Die US-amerikanische Regierung verbietet den Verkauf und Import von Kommunikationsgeräten mehrerer chinesischer Hersteller. Als Begründung wird eine Gefahr für die nationale Sicherheit genannt. Deshalb werden viele westliche Länder diese Geräte künftig selbst bauen müssen, obwohl die Halbleiterbranche gerade in eine bizarre Situation schlittert. Während manche Chips noch teuer sind, sackt bei anderen die Nachfrage in den Keller. Zusätzlich verunsichern Inflation und Krieg die Käufer. Trotzdem werden weiterhin neue Chipfabriken gebaut und geplant – die wichtigsten Meldungen im kurzen Überblick.

Die US-Regierung verbietet den Verkauf und Import von Kommunikationsgeräten der chinesischen Smartphone-Hersteller und Netzwerkausrüster Huawei und ZTE. Sie stellten laut US-Telekommunikationsaufsicht FCC ein inakzeptables Risiko für die nationale Sicherheit dar. Neue Geräte von Huawei oder ZTE werden nicht mehr genehmigt. Es bestehe auch die Möglichkeit, bestehende Genehmigungen zu widerrufen. Es sei das "erste Mal in der Geschichte der FCC", dass die Zulassung neuer Geräte aufgrund von Bedenken hinsichtlich der nationalen Sicherheit untersagt werde: USA verbannen Huawei-Geräte vom Markt – nationale Sicherheit in Gefahr.

Unternehmen und Behörden müssen sich diese Geräte nun anderswo besorgen, was derzeit einfacher sein könnte als zuvor. Denn einen dermaßen krassen Umschwung von Knappheit zu Überangebot hat es in der Halbleiterbranche wohl noch nie gegeben. Zwar ist seit Jahrzehnten bekannt, dass Angebot und Nachfrage bei vielen Chips rhythmisch schwanken, also dem sogenannten Schweinezyklus folgen. Auf Phasen mit hohen Umsätzen folgt immer wieder starke Schrumpfung. Doch was die Branche seit Anfang 2020 und dem Beginn von Coronapandemie, Nachfrage- und Umsatzrekorden erlebt, ist extrem: Die Halbleiterbranche kippt von Rekord-Erlösen in die Rezession.

Nach dem geltenden Rechtsrahmen müssen Netzbetreiber, die für den Breitbandausbau staatliche Fördermittel genutzt haben, grundsätzlich alle Arten von aktiven und passiven Zugangsprodukten für Wettbewerber rechtzeitig bereithalten. Dies hat die Bundesnetzagentur in einem Beschluss vom 21. November betont. Zugleich verpflichtete sie mit der Netcom Kassel erstmals einen Provider, einen offenen Netzzugang zu unbeschalteten Glasfasern ("Dark Fiber") eines in Teilen öffentlich geförderten Telekommunikationsnetzes in Nordhessen zu gewähren: Bundesnetzagentur verordnet erstmals offenen Netzzugang bei gefördertem Glasfaser.

Das Bundeskabinett hat die Gesetzentwürfe für die Strom- sowie die Gas- und Wärmepreisbremsen angenommen. Damit sollen private Haushalte und Unternehmen mit einer günstigeren Basisversorgung von den stark gestiegenen Energiekosten entlastet werden. Die beiden Regierungsentwürfe haben das Bundeskanzleramt, das Bundesfinanzministerium und Ressort für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) gemeinsam erarbeitet. Bundestag und Bundesrat müssen vor Jahresende noch zustimmen, damit die Initiativen Anfang 2023 greifen können für eine breite Entlastung: Bundesregierung bringt Gas- und Strompreisbremse auf den Weg.

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Der Digital- und IT-Chef des Berliner Übertragungsnetzbetreibers 50Hertz, Michael von Roeder, sieht die Strombranche bei der digitalen Transformation weit zurück hinter dem Telekommunikationssektor. Die massiven Auswirkungen, die das Internet und die Umstellung auf IP-Telefonie für letzteren gebracht haben, werden ihm zufolge aber auch schon bald in ähnlicher Form die noch behäbigere Welt der Energiewirtschaft und ihrer industriellen Ausrüster durcheinanderwirbeln. Seine Open-Source-Plattform soll die Digitalisierung der Stromwirtschaft und die Energiewende beflügeln, erklärt er im Interview bei Missing Link: "Wir brauchen einen Internet-Effekt für die Energiewirtschaft".

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(fds)