Motorradlärm: Grüne fordern Grenzwert 80 Dezibel

Fahrverbote für Motorräder werden in Deutschland diskutiert. Die Grünen wollen sie vermeiden, allerdings müssten dafür Vorschriften geändert werden.

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(Bild: heise online)

Von
  • Andreas Wilkens

"Für Motorräder gelten Lärmgrenzwerte. Obwohl diese auf dem Papier eingehalten werden, nehmen Klagen über Motorradlärm ständig zu", schreibt die Bundestagsfraktion der Grünen. In einem Antrag fordern sie daher unter anderem, dass in den Typzulassungsvorschriften ein Lärmgrenzwert von 80 Dezibel für alle Motorräder und Betriebszustände sowie im gesamten Geschwindigkeitsbereich festgelegt wird. Der bestehende Grenzwert von 77 Dezibel soll ihrer Meinung nach für die Fahrbereiche beibehalten werden, die der gegenwärtige Testzyklus abdeckt.

Die derzeitigen Prüfzyklen für die Typzulassung entsprechen oft nicht den realen Fahrsituationen, meinen die Grünen. "Motorradhersteller haben zudem verschiedene teils elektronisch gesteuerte Bauelemente entwickelt, mit denen Motorräder auf der Straße sehr laut unterwegs sein können; dabei werden auf dem Prüfstand die gesetzlich geltenden Grenzwerte eingehalten. "Dieses Prinzip ist eine Blaupause des Abgasskandals", schreiben die Grünen in ihrem Antrag . Auch sei diverses Zubehör erhältlich, das teils legal oder illegal den Lärm verstärke.

Viele Menschen würden in ihren Wohnungen und Gärten sowie viele Erholungssuchende in landschaftlich attraktiven Regionen durch Motorradlärm empfindlich beeinträchtigt, meinen die Grünen. Sie fordern auch alle technischen Möglichkeiten zu verbieten, Motorräder und Pkw lauter zu machen, als für die Fahrleistung nötig ist.

"Schwerstbetroffene Orte" sollen zunächst eine Saison lang das "Tiroler Modell" testweise anordnen dürfen. Damit gemeint sind Streckensperrungen für Motorräder mit einem Standgeräusch von zunächst mehr als 95 Dezibel. Währenddessen solle die Lärmminderung laufend evaluiert werden. Falls der Lärm nicht zufriedenstellend gemindert würde, sollten lärmbedingte Geschwindigkeitsbegrenzungen sowie Sonn- und Feiertagsfahrverbote verhängt werden, "so lange, bis wirksame Maßnahmen zum Ausschluss besonders lauter Maschinen spürbar Abhilfe schaffen".

"Kommunen sowie Anwohnerinnen und Anwohner sind hilflos, denn das bestehende Regelwerk gibt ihnen kein Instrument an die Hand, mit dem sie sich vor übermäßigem und unnötigem Lärm schützen können", schreiben die Grünen. Außerdem könne die Polizei Motorradlärm bei Verkehrskontrollen weder wirkungsvoll kontrollieren noch sanktionieren. Gerichtsfeste Geräuschmessungen im fließenden Verkehr seien fast unmöglich.

Bewegliche Lärmquellen geortet werden sollen mit einer Technik, die in Frankreich getestet wird. In der Gemeinde Villeneuve-le-Roi vor Paris wurden "Médusen" installiert, bestehend aus vier in verschiedene Richtungen hängenden Mikrofonen. Der Zeitversatz beim Eintreffen eines Tons jeweils auf ein Mikrofon, der mehrmals pro Sekunde gemessen wird, soll ausreichen, um algorithmengestützt die Richtung eines dominanten Geräuschs zu triangulieren.

Der Bundesrat hatte im Mai dieses Jahres beschlossen, dass die zulässigen Geräuschemissionen aller Neufahrzeuge begrenzt wird. Künftig soll ein Maximalwert von 80 Dezibel gelten. Die Länder wollen, dass Polizisten Fahrzeuge bei "gravierenden Lärmüberschreitungen" sofort sicherstellen dürfen und begrenzte Fahrverbote angeordnet werden dürfen.

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Darauf beziehen sich die Grünen in ihrem Antrag. Sie schreiben, der Bundesratsbeschluss sei "ein untrügliches Zeichen dafür, dass es an dieser Stelle Versäumnisse und massiven Handlungsbedarf gibt. Wir wollen Verkehrsverbote nach Möglichkeit vermeiden". Dafür müsse aber gesetzlich etwas geschehen.

(anw)