Online-Bank N26 gibt Betriebsrats-Alternative wieder auf

Als N26-Beschäftige 2020 einen Betriebsrat gründen wollten, stellte sich die Führung quer und schuf ein Alternativ-Gremium, das nun wieder eingestellt wird.

Lesezeit: 2 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 172 Beiträge

(Bild: JulianJD/Shutterstock)

Von
  • Axel Kannenberg

Das Banking-Startup N26 hat seine als Alternative zum Betriebsrat gegründete Mitarbeitervertretung namens "Employee Representation Board" wieder aufgegeben. Das Gremium wurde 2020 geschaffen, als Mitarbeiter von N26 sich an die Gründung eines Betriebsrats machten. Die Führungsriege wollte stattdessen lieber eine "alternative Arbeitnehmervertretung" etablieren. Nun habe man erkennen müssen, wie eine Sprecherin erklärte, "dass unser globales Mitbestimmungsgremium nicht so umgesetzt werden konnte, wie wir uns das erhofft hatten. Deshalb haben wir uns nach interner Beratung dazu entschlossen, das globale Gremium einzustellen."

Zuerst hatte der Branchendienst Financefwd über das Aus für die alternative Vertretung berichtet. Unter Berufung auf Unternehmenskreise schreibt der Dienst, dass sich das "Employee Representation Board" selten getroffen habe und kaum konkrete Pläne entwickelte. Auch sei intern nicht ganz klar gewesen, welche Rechte das gewählte Alternativ-Gremium hatte. Inwieweit das Gremium während seiner Existenz Verbesserungen für die Mitarbeiter bewirken konnte, blieb unklar.

Als ursprüngliches Ziel gab N26 ein Mitbestimmungsgremium an, das auch die Mitarbeiter an Standorten wie New York und Barcelona repräsentieren solle und parallel zu einem Betriebsrat existiere. Von den 1500 Mitarbeitern des Start-ups sind rund 1300 in Berlin beschäftigt.

Der Betriebsratsgründung hingegen legte die Führung von N26 Steine in den Weg. Zwei Mitarbeiterversammlungen zur Gründung des Betriebsrats versuchte man mit einstweiligen Verfügungen zu stoppen. Auch wurde ein Termin zu dem neuen Alternativ-Gremium parallel zu einer der Mitarbeiterversammlungen gesetzt. Valentin Stalf, einer der beiden Gründer von N26, soll in einer internen E-Mail erklärt haben, ein Betriebsrat stünde "gegen fast alle Werte, an die wir bei N26 glauben". Letztlich wurde der Betriebsrat aber doch gegründet.

Inzwischen hat sich das Klima offenbar auch gewandelt. "Die Zusammenarbeit mit den beiden deutschen Betriebsräten basierte zudem von Beginn an auf einem vertrauensvollen Austausch und Kooperation. Das gesamte Führungsteam von N26 unterstützt auch die aktuellen, zweiten Betriebsratswahlen für N26 in Deutschland", erklärte die Sprecherin von N26. Ganz aufgeben wolle man die Idee globaler Mitbestimmung aber nicht. Sogenannte "Employee Resource Groups" sollen dafür künftig mit den deutschen Betriebsräten zusammenarbeiten.

(axk)