NASA: Raketenteil auf Mond eingeschlagen - Sonde entdeckt zweiten Krater

Die NASA hat nach dem Einschlag eines Raketenteils auf dem Mond im März einen zweiten Krater entdeckt. Zur Herkunft des Teils gibt es indes eine Bestätigung.

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Der Hertzsprung-Krater auf dem Mond. Die NASA hat einen zweiten Krater nach dem Einschlag eines chinesischen Raketenteils im März entdeckt.

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

Von
  • Tobias Knaack
  • mit Material der dpa

Im März ist das Teil einer chinesischen Rakete ungeplant auf dem Mond eingeschlagen. Mehr als drei Monate nach der Kollision haben Beobachtungen der US-Raumfahrtbehörde NASA jetzt diesen ersten ungeplanten Aufschlag eines Raketenteils auf dem Mond bestätigt. Die Überraschung: Auf Bildern der Sonde "Lunar Reconnaissance Orbiter" seien gleich zwei Krater von dem Aufprall am 4. März zu sehen, teilte die NASA mit.

Ein östlicher Krater habe einen Durchmesser von 18 Metern, ein westlicher einen von 16 Metern. Der Einschlag auf der erdabgewandten Seite des Mondes hatte Anfang März nicht live beobachtet oder gemessen werden können, da es zu dem Zeitpunkt dort keine entsprechenden Sonden, Teleskope oder Messinstrumente gab. Der Weltraumschrott war am Mittag des 4. März mit über 9000 km/h auf der Mondrückseite in den Hertzsprung-Krater gerast.

Die Entdeckung von gleich zwei Kratern sei "unerwartet" gewesen, hieß es, und deute daraufhin, dass es sich um eine Rakete handele, die an beiden Enden größere Lasten trage. Das könne Hinweise auf die Identität der Rakete geben - denn was da genau auf dem Mond eingeschlagen ist, war zunächst immer noch unklar.

Zunächst war von einem Teil einer SpaceX-Rakete die Rede gewesen, dann aber hatten die Wissenschaftler sich korrigiert: Es handele sich um einen Teil einer alten chinesischen Rakete, wahrscheinlich die Trägerrakete der "Chang'e 5-T1"-Mission, die 2014 von der Erde ins All geschossenen worden war. China hatte diese Berichte jedoch zurückgewiesen.

Bereits vor dem Einschlag im März war klar, dass dieser von keinem Instrument direkt beobachtet werden könne. Von der Erde aus ist der Hertzsprung-Krater nicht zu sehen, die beiden Mondsonden LRO (Lunar Reconnaissance Orbiter) und Chandrayaan-2 waren nicht an der richtigen Position, schätzte der Astronom Bill Gray. Seine Hoffnung damals: Beide könnten aber nach Spuren und einem neuen Krater suchen. Oder, wie sich nun herausstellte, nach zweien. Auch das US-amerikanische Weltraumobservatorium DSCOVR war seiner Einschätzung nach damals zu weit entfernt, um etwas zu erkennen.

Gray hatte das Objekt im Januar entdeckt und den bevorstehenden Einschlag hingewiesen. Dass es sich nicht um ein SpaceX-Teil handelt, sondern jener eine Stufe jener Rakete, die die experimentelle Sonde Chang’e 5-T1 (嫦娥五號探路星) ins All gebracht hat, gilt inzwischen als gesichert. Unter anderem war mit einer Spektralanalyse bestätigt worden, dass es sich um ein Objekt mit Lack aus chinesischer Produktion handelt.

Dies bestätigten nun die neu erfolgte Analyse der Aufnahmen. Sie machten deutlich, dass dieses Objekt nicht von einer NASA-Mission stamme, sagte ein Sprecher der US-Raumfahrtbehörde der Deutschen Presse-Agentur. Bei dem Aufprall handelt es sich um die erste bekannte ungeplante Kollision eines Raketenteils mit dem Mond, geplante Einschläge zu Forschungszwecken hat es in der Vergangenheit aber mehrfach gegeben.

(tkn)