NASA-Sonde Dart schafft Einschlag auf Asteroiden – jetzt heißt es warten

Eine Kollision mit dem kleinen Mond eines kleinen Asteroiden feiert die NASA. Es soll ein großer Schritt auf dem Weg zu besserem Schutz des Planeten Erde sein.

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Der Asteroidenmond Dimorphos in Schwarz-Weiß

Der Asteroidenmond Dimorphos Sekunden vor dem Aufprall

(Bild: Screenshot NASA TV (gemeinfrei))

Von
  • Daniel AJ Sokolov

Die NASA-Sonde Dart ist plangemäß in den Asteroidenmond Dimorphos gerast. Das Wissenschaftler-Team feiert diesen Erfolg. Schon den richtigen Kurs zu wählen, war für Dart eine Herausforderung. Die Sonde musste eine Karte bekannter Sterne mit eigenen Kameraaufnahmen abgleichen, um die korrekte Richtung zu berechnen – bei einem Tempo von sechs Kilometern pro Sekunde. Kleinste Fehler hätten bedeutet, dass Dart Dimorphos verpasst.

Jetzt beginnt für die Forscher das bange Warten: Welche Auswirkungen hat der Einschlag tatsächlich? Wie groß ist die Auswirkung auf der unbekannten Oberfläche des Asteroiden? Und gelingt es tatsächlich, die Laufbahn des Asteroiden Didymos zu beeinflussen? Bislang hatte noch niemand versucht, die Bahn eines Himmelskörpers zu beeinflussen. Dimorphos umkreist Didymos in etwa 1,2 Kilometern Entfernung, die beiden sind zur Zeit etwa 38 Lichtsekunden von der Erde entfernt.

Ziel des Projekts ist, zu beweisen, dass Menschen die Flugbahn von Asteroiden entscheidend beeinflussen können. Das würde die Chance eröffnen, einen verheerenden Aufprall eines Asteroiden auf der Erde abzuwenden. Didymos und Dimorphos selbst sind nicht auf Kollisionskurs mit der Erde; das Projekt dient als Test, der die Tauglichkeit der Methode praktisch beweisen soll. Mit genügend Vorlaufzeit könnten schon geringste Änderungen an einer Asteroidenbahn ausreichen, um solche Himmelskörper an der Erde vorbeizulenken.

Die Hoffnung ist, dass der Aufprall die rund zwölfstündige Umlaufbahn von Dimorphos verkürzt, um mindestens 73 Sekunden, aber vielleicht sogar um zehn Minuten. Wie schnell das von der Erde aus nachgewiesen werden kann, ist nicht klar. Es könnte sogar einige Wochen dauern.

Auf den Weg zur Kollision mit dem Asteroidenmond hat sich Dart im November des Vorjahres gemacht. Weil die Masse bescheiden ist, muss die Geschwindigkeit besonders hoch sein, damit sich der Aufprall auswirken kann.

Die letzte vor dem Einschlag vollständig übermittelte Aufnahme der Dimorphos-Oberfläche

(Bild: Screenshot/NASA TV (gemeinfrei))

Am 11. September hat Dart die kleine italienische Sonde LICIACube abgesetzt, die etwas Abstand zwischen sich und Dart gebracht hat. Drei Minuten nach der Kollision sollte sie aus 40 bis 80 km Entfernung Fotos von Dimorphos machen und nach Spuren suchen.

Das ist nah genug für gute Fotos, die zeigen, wie die Oberfläche beschaffen ist, wie groß die Auswirkungen sind und wieviel Material ins All geschleudert wird, ohne dass LICIACube selbst in Gefahr gerät. Anschließend sollte die italienische Sonde die erdabgewandte Seite des Himmelskörpers fotografieren. Die Aufnahmen sind noch nicht auf der Erde eingetroffen. 2024 wird die ESA-Mission Hera starten. Sie soll die Auswirkungen des Aufpralls vor Ort genauer untersuchen.

(ds)